Playoffs gegen Georgien 

Luxemburg: Holtz über Barreiro als Aushängeschild, EM-Playoffs & Gespräche mit BTSV

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Für das neue Jahr wünscht sich Luc Holtz vor allem Gesundheit für die Familie und die Qualifikation zur Europameisterschaft. Schafft der luxemburgische Nationaltrainer mit seiner Mannschaft die erstmalige Endrundenteilnahme mit den „Roten Löwen“, wäre es eine Sensation. Dem stehen allerdings noch die Playoffs im Weg. Im Gespräch mit Transfermarkt erzählt der 54-Jährige, wie sein Team überhaupt so weit kam und wie sich der luxemburgische Fußball gewandelt hat.

„Jeder meiner Spieler, die Verantwortlichen im Verband, ich selbst: Wir fiebern der Partie gegen Georgien entgegen. Wenn man so nah dran ist, will man auch zur EM. Wir sind davon überzeugt, das Unmögliche möglich zu machen und sportliche Geschichte zu schreiben“, sagt Luc Holtz zum anstehenden Playoff am 21. März. Sollte Luxemburg die Hürde gegen den Favoriten Georgien überwinden, wartet noch der Sieger aus der Begegnung Griechenland gegen Kasachstan.

Zunächst erinnert sich Holtz aber an seinen Amtsantritt 2010, als die jetzige Entwicklung überhaupt nicht absehbar war. Zu dieser Zeit gehörte Luxemburg zu den Fußballzwergen, die mehr Punktelieferant für andere Länder waren. Eine Teilnahme an einer Europameisterschaft wäre unvorstellbar gewesen. „Als ich mein Amt angetreten habe, waren die Vorzeichen ganz andere“, erklärt Holtz. „Wir hatten lediglich einen Profi, der im Ausland tätig war, der Rest spielte in Luxemburg. Ich erinnere mich noch gut an die 0:6-Niederlage gegen Israel. Ich war frustriert, enttäuscht und sauer. Ich bin jemand, der Offensivfußball spielen lassen möchte. Der damalige luxemburgische Fußball war aber geprägt von Defensivfußball, einem Bollwerk aus einem tiefstehenden 4-5-1-Block, weil uns einfach die sportliche Qualität fehlte. Ich musste einen Fußball spielen lassen, der nicht meiner Vision von Entwicklung entsprach.“

Der luxemburgische Nationaltrainer Luc Holtz

Der luxemburgische Nationaltrainer Luc Holtz

Dabei hatte Holtz einen entscheidenden Denkfehler, wie er zugibt: „Nach dem Israel-Spiel wurde mir bewusst, dass unsere Analyse zu sehr auf das Resultat orientiert ist. Bis dahin habe ich öfters nach den Spielen den Hammer rausgeholt, zu sehr das Negative dargelegt. Erst dann ist mir wirklich bewusst geworden, dass ich nicht erwarten kann, dass alles von heute auf morgen besser wird, sondern, dass insbesondere in einem Land wie Luxemburg, die Entwicklung etwas länger braucht.“


Mainzer Barreiro vorn
Wertvollste Fußballer aus Luxemburg
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Ein Fußballzwerg ist Luxemburg immer noch, auch wenn sich in der jüngeren Vergangenheit viel getan hat. Einen wichtigen Meilenstein sieht der 54-malige Nationalspieler Holtz in einem EM-Qualifikationsspiel aus dem Jahr 2019. „Wir spielten damals gegen die Ukraine und verloren zwar mit 0:1, aber die Leistung war fantastisch. Wir waren über 90 Minuten auf Augenhöhe. Andriy Shevchenko (damaliger Nationaltrainer, d. Red.) kam auf mich zu und sagte: ‚Ich hätte niemals erwartet, dass das so ein Kampf wird. Respekt an dich, was du aus deiner Mannschaft rausgeholt hast.‘ Ab dem Moment wusste ich: Wir sind im europäischen Fußball angekommen und können mitmischen.“

Luxemburg hatte zeitweise direkte EM-Quali vor Augen

Insgesamt 17 Punkte holten die Luxemburger in der EM-Qualifikation gegen Gruppenteilnehmer wie Portugal, Slowakei, IslandBosnien und Herzegowina sowie Liechtenstein. Zeitweise sah es sogar so gut aus, dass sich das Großherzogtum direkt für die Endrunde qualifizieren könnte. Doch nun muss der Umweg über die Playoffs eingeschlagen werden. „Vor dem ersten Quali-Spiel fragte ich unseren Präsidenten, welches Ziel wir ausgeben sollen“, so Holtz. „Die Antwort lautete: ‚Liechtenstein müssen wir auf jeden Fall hinter uns lassen. Alle weiteren wären schöne Platzierungen.‘ Als wir Bosnien mit 2:0 schlugen und auf einmal in der Tabelle oben mitmischten, wusste ich, da ist etwas möglich und jetzt gibt es nur ein Ziel: Volle Kraft voraus auf Platz zwei. Rückblickend ist es traurig, dass wir unser bestes Spiel zwar gegen die Slowakei absolviert haben, aber uns mit 0:1 geschlagen geben mussten und so das direkte Ticket verpasst haben. Milan Skriniar kam nach dem Schlusspfiff auf mich zu und meinte, dass wir mit dieser Leistung die Playoffs auf jeden Fall schaffen werden.“

21 von 24 Tickets vergeben: Die EM-Teilnehmer nach aktuellem Kaderwert

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Kaderwert: 81,15 Mio. € (Stand: 11. Januar 2024, die restlichen drei EM-Tickets werden über die Playoffs im März vergeben)

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Kaderwert: 88,35 Mio. €

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Kaderwert: 131,5 Mio. €

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Kaderwert: 133 Mio. €

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Kaderwert: 150,15 Mio. €

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Kaderwert: 167,95 Mio. €

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Kaderwert: 192,9 Mio. €

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Kaderwert: 202,3 Mio. €

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Kaderwert: 219,6 Mio. €

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Kaderwert: 272,2 Mio. €

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Kaderwert: 276 Mio. €

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Kaderwert: 298,2 Mio. €

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Kaderwert: 333 Mio. €

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Kaderwert: 477,8 Mio. €

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Kaderwert: 503 Mio. €

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Kaderwert: 610,5 Mio. €

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5 Deutschland (Gastgeber)

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Kaderwert: 654 Mio. €

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Kaderwert: 902 Mio. €

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Kaderwert: 930,8 Mio. €

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Kaderwert: 1,06 Mrd. €

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Kaderwert: 1,15 Mrd. €

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Auch die luxemburgische Bevölkerung honoriert die Entwicklung. Im Großherzogtum herrscht Fußball-Euphorie. „Meine Frau wird von Freunden und Bekannten vermehrt nach Tickets, Trikots oder Bällen gefragt“, erzählt Holtz. „Auf den Straßen werde ich mittlerweile regelmäßig erkannt und um Autogramme gebeten. Vor kurzem kam beim Einkauf ein älterer Herr auf mich zu und sagte ganz laut: ‚Das ist er, unser Trainer.‘ Wir mussten beide lachen. Die Stimmung hat sich gewandelt. Ich kann mich noch erinnern, da gab es Zeiten, da wurden wir ausgepfiffen. Es entsteht etwas in Luxemburg. Die Mannschaft, die Fans, die Zuschauer, der Verband, wir entwickeln uns zu einem großen Team.“


Hitzfeld, Tedesco & Co.
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Was hat sich in Luxemburgs Fußball gewandelt? Zum einen wurden professionelle Infrastrukturen geschaffen, was sich auch positiv auf die Talentförderung auswirkt. Holtz erklärt dazu: „Es gibt immer Luft nach oben, aber alle sind gewillt, das Land sportlich nach vorne zu bringen. Der Verband hat eine eigene Fußballschule ins Leben gerufen, wo die Jugendspieler unter der Woche zusätzlich zum Vereinstraining trainieren können. Zudem wagen viele Jugendspieler frühzeitig den Sprung ins Ausland, vermehrt nach Deutschland, und profitieren hier von anspruchsvollen Spielen sowie intensiven Trainingseinheiten.“

Als das Elementarste bezeichnet Holtz, „dass wir uns bewusst gemacht haben, dass die Ausbildung von Jugendspielern komplex ist. Hierbei ist der Begriff Tempo unabdingbar und umfasst drei Punkte: Handlungsschnelligkeit, gedankliche Schnelligkeit und läuferische Schnelligkeit. Hinzukommt die technische Präzision sowie die Persönlichkeitsentwicklung.“

Luxemburg mit besserem Spielerpotenzial: Mainzer Barreiro als Aushängeschild

Zum anderen weist die Nationalmannschaft mittlerweile ein großes und besseres Spielerpotenzial als noch vor einigen Jahren auf. Zur aktiven Zeit des Spielers Holtz hießen die Stars der Luxemburger Jeff Strasser und Mario Mutsch. Insgesamt waren nur wenige Spieler in internationalen Profiligen aktiv. Dies hat sich gewandelt. Ein Großteil des Kaders verdient seine Meriten im europäischen Ausland. Der Mainzer Leandro BarreiroChristopher Martins Pereira von Spartak Moskau und der in der Türkei spielende Gerson Rodrigues gelten als Zugpferde.

Insbesondere Barreiro ist Luxemburgs Aushängeschild. „Leandro ist das perfekte Vorbild für jeden unserer Jugendspieler. Als er damals zu Mainz wechselte, war nicht jeder davon überzeugt, dass er es schaffen könnte. Dann wurde er absoluter Leistungsträger sowohl in Mainz als auch in der Nationalmannschaft. Er weiß, was er will, und dazu ist er noch sehr demütig. Von seiner Qualität und seiner Persönlichkeit ist er in der Lage, sich bei jedem deutschen Top-Verein durchzusetzen“, ist der luxemburgische Nationaltrainer überzeugt.

Ich sehe mich als Trainer, der die Spieler angst- und gedankenfrei auf das Spielfeld schicken will.

Über seine eigene Philosophie sagt Holtz: „Ich sehe mich als Trainer, der die Spieler angst- und gedankenfrei auf das Spielfeld schicken will. Ein Spieler, der selbst einen kleinen Prozentsatz Angst empfindet, ist niemals in der Lage, 100 Prozent Leistung abzurufen. Verantwortung bedeutet, dem Spieler das Vertrauen zu schenken, dass hinter ihm jemand steht, der bedingungslos an seine Qualität glaubt. Den Weg, den wir bisher gegangen sind, sind wir gegangen, weil wir als Kollektiv aufgetreten sind. Wir sind ein Team.“

Luc Holtz und seine luxemburgische Nationalmannschaft lassen sich von den Fans feiern

Luc Holtz und seine luxemburgische Nationalmannschaft lassen sich von den Fans feiern

Holtz macht auf sich aufmerksam: „Es gab Gespräche mit Braunschweig“

Seine Arbeit hat sich auch in Deutschland rumgesprochen. So wurde Holtz vor kurzem auch beim Zweitligisten Eintracht Braunschweig diskutiert, als der Verein auf der Suche nach einem Nachfolger für den entlassenen Jens Härtel war. „Es gab Gespräche mit Braunschweig, und es ehrt mich auch, dass ich für einen deutschen Zweitligisten in Frage komme. Generell entstehen bei solchen Anfragen Gedankenspiele: Willst du den Schritt wirklich gehen? Wie reagiert die Familie? Kannst du mit dem Verein und dem Kader Erfolge feiern? Die wichtigste Frage, die über allem steht, lautet: Passt du mit deiner Art überhaupt zur Vereinsphilosophie, zur Fankultur des jeweiligen Vereins. Wenn du dich für einen Verein entscheidest, musst du den Klub leben“, betont Holtz.

Statt dem Ziel Klassenerhalt in der 2. Bundesliga mit Braunschweig nachzugehen, verfolgt Holtz nun das Ziel, mit Luxemburg die Sensation zu schaffen. Er sagt: „Die Vorfreude auf die Playoffs und die Partie gegen Georgien ist groß. Jetzt schon fiebert ganz Luxemburg auf diese Partie hin. Wir wollen die Überraschung schaffen, und wenn wir wirklich in der Gruppenphase der EM dabei sind, gleicht das dem Gewinn eines EM-Finals.“

Interview von Henrik Stadnischenko

Die Stadien für die EM 2024: Welche Gruppenspiele finden wo statt?

Olympiastadion in Berlin (Zuschauer intl.: 70.000)

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Gruppe A: Spanien – Kroatien (15. Juni, 18 Uhr)
Gruppe D: Playoff-Sieger A – Österreich (21. Juni, 18 Uhr)
Gruppe D: Niederlande – Österreich (25. Juni, 18 Uhr)

1/10

Arena in München (Zuschauer intl.: 67.000)

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Gruppe A: Deutschland – Schottland (14. Juni, 21 Uhr)
Gruppe E: Rumänien – Playoff-Sieger B (17. Juni, 15 Uhr)
Gruppe C: Slowenien – Serbien (20. Juni, 15 Uhr)
Gruppe C: Dänemark – Serbien (25. Juni, 21 Uhr)

2/10

Arena in Dortmund (Zuschauer intl.: 66.000)

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Gruppe B: Italien – Albanien (15. Juni, 21 Uhr)
Gruppe F: Türkei – Playoff-Sieger C (18. Juni, 18 Uhr)
Gruppe F: Türkei – Portugal (22. Juni, 18 Uhr)
Gruppe D: Frankreich – Playoff-Sieger A (25. Juni, 18 Uhr)

3/10

Arena in Stuttgart (Zuschauer intl.: 54.000)

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Gruppe C: Slowenien – Dänemark (16. Juni, 18 Uhr)
Gruppe A: Deutschland – Ungarn (19. Juni, 18 Uhr)
Gruppe A: Schottland – Ungarn (23. Juni, 21 Uhr)
Gruppe E: Playoff-Sieger B – Belgien (26. Juni, 18 Uhr)

4/10

Arena in Gelsenkirchen (Zuschauer intl.: 50.000)

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Gruppe C: Serbien – England (16. Juni, 21 Uhr)
Gruppe B: Spanien – Italien (20. Juni, 21 Uhr)
Gruppe F: Playoff-Sieger C – Portugal (26. Juni, 21 Uhr)

5/10

Arena in Hamburg (Zuschauer intl.: 50.000)

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Gruppe D: Playoff-Sieger A – Niederlande (16. Juni, 15 Uhr)
Gruppe B: Kroatien – Albanien (19. Juni, 15 Uhr)
Gruppe F: Playoff-Sieger C – Tschechien (22. Juni, 15 Uhr)
Gruppe F: Tschechien – Türkei (26. Juni, 21 Uhr)

6/10

Arena in Düsseldorf (Zuschauer intl.: 47.000)

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Gruppe D: Österreich – Frankreich (17. Juni, 21 Uhr)
Gruppe E: Slowakei – Playoff-Sieger B (21. Juni, 15 Uhr)
Gruppe B: Albanien – Spanien (24. Juni, 21 Uhr)

7/10

Arena in Köln (Zuschauer intl.: 47.000)

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Gruppe B: Ungarn – Schweiz (15. Juni, 15 Uhr)
Gruppe A: Schottland – Schweiz (19. Juni, 21 Uhr)
Gruppe E: Belgien – Rumänien (22. Juni, 21 Uhr)
Gruppe C: England – Slowenien (25. Juni, 21 Uhr)

8/10

Arena in Frankfurt (Zuschauer intl.: 46.000)

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Gruppe E: Belgien – Slowakei (17. Juni, 18 Uhr)
Gruppe C: Dänemark – England (20. Juni, 18 Uhr)
Gruppe A: Schweiz – Deutschland (23. Juni, 21 Uhr)
Gruppe E: Slowakei – Rumänien (26. Juni, 18 Uhr)

9/10

Arena in Leipzig (Zuschauer intl.: 42.000)

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Gruppe F: Portugal – Tschechien (18. Juni, 21 Uhr)
Gruppe D: Niederlande – Frankreich (21. Juni, 21 Uhr)
Gruppe B: Kroatien – Italien (24. Juni, 21 Uhr)

10/10



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