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„Wow!“

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst winkt vor dem Abflug zur Raumstation ISS (2018). © Dmitri Lovetsky/AP POOL/dpa

Der Astronaut Alexander Gerst findet es wichtig, die Arbeit der Esa bekannt zu machen. Da passt es gut, dass die Weltraumorganisation nun prominent in einem Kinderfilm vorkommt.

München – Wer Raumfahrt-affine Kinder in Deutschland fragt, welche Weltraumorganisation sie kennen, wird wahrscheinlich folgende Antwort erhalten: die Nasa der US-Amerikaner. Das könnte sich mit „Wow! Nachricht aus dem All“ ändern, einem Abenteuerfilm für Familien, der sich mit internationalen Produktionen messen kann. Darin spielt die europäische Agentur Esa eine zentrale Rolle – wenn auch nicht immer eine rühmliche.

Ausgangspunkt des Films ist ein Schrottplatz, quasi das Gegenstück zur hochtechnisierten Welt der Profi-Astronomen. Dort lebt der elf Jahre alte Dino (Felix Nölle) und versucht, sich aus all den alten Dingen ein Weltraumteleskop zu bauen. Unterstützung erhält er von der gleichaltrigen Billie (Ava-Elizabeth Awe), die wie ihre Mutter eines Tages Astronautin werden will. Zusammen gelingt es den Kindern tatsächlich, Signale von Außerirdischen zu empfangen. Sie schreiben an die Esa – und werden zum südamerikanischen Weltraumbahnhof in Guyana eingeladen.

Auf der Suche nach Außerirdischen

Dort mischen die beiden eine Pressekonferenz zum bevorstehenden, eigentlich unbemannten Raketenstart auf. Sie spielen ihre Aufnahmen ab, doch die Erwachsenen wollen ihnen nicht glauben, dass diese von Außerirdischen stammen. Dabei arbeitet die Film-Esa im Verborgenen sehr wohl daran, diese Außerirdischen zu finden. Die beiden Kinder kommen den Geheimplänen auf die Schliche, und gelangen dann auch noch aus Versehen in die Rakete und damit in den Weltraum.

„Wow!“ ist erst der zweite Kinofilm von Regisseur Felix Binder, der vorher vor allem Serien fürs Fernsehen drehte, etwa „Club der roten Bänder“. Der Film wirkt ausgereift, die ganze Produktion aufwendig und durchdacht, außerdem ist die Story höchst unterhaltsam erzählt. Selbst die Komik stimmt. Als die Kinder im Film die internationale Raumstation ISS sehen, sagen sie: „Sieht aus wie ein Spielzeug“, woraufhin ein Mitarbeiter im Kontrollzentrum meint: „Ist es auch, ein riesengroßes.“

Die Jury der Deutschen Film- und Medienbewertung zeigte sich begeistert, dass die jungen Protagonisten im Film ständig handelnde Charaktere sind, mit „Neugier, Tatendrang, Charakterstärke und detektivischem Spürsinn“. Das Ganze sei ein Familienspaß, von dem auch die erwachsenen Begleitpersonen etwas mit nach Hause nehmen könnten, und verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“.

In den Drehvorbereitungen holten sich die Filmemacher immer wieder Ratschläge der Esa sowie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR, etwa als es um die Sprache von Raumfahrern ging, aber auch für den Set-Bau der ISS. „Sie halfen uns an den Stellen, an denen wir realistisch sein wollten, und drückten großzügig und sicherlich auch etwas amüsiert ein Auge an anderen Stellen zu, bei denen uns die Fantasie wichtiger war“, meinte der Regisseur. So wurde etwa das Kontrollzentrum, das sich in Guyana befindet, in einem ehemaligen Einkaufszentrum in Berlin nachgebaut. Auch steuerte die Esa Videomaterial bei, etwa von der Raketenbasis.

Manchmal entsteht fast der Eindruck, die Esa habe sich einen PR-Film drehen lassen. Doch die Initiative, statt einer fiktiven lieber eine realistische Weltraumagentur zu nutzen, ging von den Filmemachern aus. Auch sei kein Geld geflossen, versicherte eine Esa-Sprecherin. Die Esa habe – neben der monatelangen Beratung – nur kleine Dinge an die Produktionsfirma gegeben, etwa Esa-Logos als Aufnäher für die Jacken und Pullis, Sticker, Broschüren. Die Anfrage, mit einer echten Astronautin oder einem Astronauten drehen zu können, wurde aus „terminlichen Gründen“ abgelehnt.

Werbung für die Esa

Esa-Chef Josef Aschbacher hatte den Film kurz vor Kinostart noch nicht gesehen, freute sich aber über die Werbung für die Esa. „Es macht Spaß, wenn die Esa in so einem Film präsent ist“, sagte er im dpa-Interview. „Man kennt ja sehr viele tolle Filme über den Weltraum, in denen überall das Nasa-Logo zu sehen ist – und auch mit gutem Recht, denn die Nasa macht ganz tolle Sachen. Aber das Esa-Logo zu sehen, ist schon auch gut.“

Der Esa-Astronaut Alexander Gerst streicht heraus, dass es sogar eine Pflicht für die Esa sei, die eigene Arbeit zu kommunizieren – schließlich ginge es um öffentliche Gelder. „Als ich auf der Raumstation war, war es für mich persönlich sehr wichtig, den Ausblick nicht nur in mich aufzusaugen und zu genießen, sondern auch Bilder nach unten zu schicken“, sagte Gerst ebenfalls der dpa. „Genauso wollen wir die wichtigen Experimente und anderen Sachen der Esa mit den Menschen teilen. Denn letzten Endes machen wir all das für die Menschen auf der Erde, damit es allen in ihrem Leben besser geht.“

– Wow! Nachricht aus dem All, Deutschland 2023, 103 Min., FSK ab 0 beantragt, von Felix Binder, mit Ava-Elizabeth Awe, Felix Nölle, Ronald Zehrfeld u.a. dpa

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