Wegen Haushaltskrise und internationaler Konflikte wird das Wachstum im kommenden Jahr weiter einbrechen, mahnt das Forschungsinstitut IW. Deutschland fällt damit immer weiter zurück.

In Schieflage: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck muss sich auf einen Konjunktureinbruch einstellen.

In Schieflage: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck muss sich auf einen Konjunktureinbruch einstellen.

Jens Schicke / Imago

Kein Grund zur Entwarnung: Die deutsche Wirtschaft wird auch im kommenden Jahr schrumpfen. Zu diesem Schluss kommt die neue Konjunkturprognose, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Mittwoch vorgelegt hat. Die Wirtschaftsleistung dürfte demnach 2024 um bis zu einem halben Prozent im Minus liegen, heisst es im Bericht der Wirtschaftsexperten.

Es wäre das zweite Krisenjahr in Folge: Schon für 2023 wird ein Einbruch des Bruttoinlandprodukts um 1,5 Prozent erwartet. Es wäre eine historische Durststrecke: In den vergangenen 70 Jahren sank die Wirtschaftsleistung nur 2002 und 2003 in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Doch es könnte sogar noch schlimmer kommen.

Deutschland bleibt Schlusslicht

Denn vor allem der Streit um den Bundeshaushalt sei Gift für die Wirtschaft, mahnen die Ökonomen. Viele Unternehmen würden deshalb ihre Investitionsentscheidungen erst einmal zurückstellen. In Modellrechnungen haben die IW-Forscher deshalb mehrere Szenarien entworfen, welcher Effekt sich daraus für die Konjunktur ergeben würde. Das Ergebnis: Im schlimmsten Fall, wenn die Staatsausgaben um rund 50 Milliarden Euro zusammengestrichen werden müssten, würde das Wirtschaftswachstum sogar um ein Prozent einbrechen.

Europas grösste Volkswirtschaft verliert damit bei der Krisenerholung auch immer weiter den Anschluss an andere grosse Industrienationen. So werde laut IW-Prognose etwa in den USA die Wirtschaft im kommenden Jahr um 1,2 Prozent wachsen, in Frankreich um 0,7 Prozent und in China sogar um 4,5 Prozent.

«Die Bundesregierung hat sich in diesem Jahr als regelrechte Konjunkturbremse bewiesen», sagt der IW-Konjunkturexperte Michael Grömling deshalb. Die finanzpolitische Unsicherheit belaste die Unternehmen. «Wir brauchen eine schnelle Lösung für das finanzpolitische Chaos. Wichtige Investitionen dürfen nicht auf der Strecke bleiben.»

Inflation droht sich festzusetzen

Doch nicht nur die Haushaltskrise, auch andere Entwicklungen bedrohen die deutschen Unternehmen. So sei ein «zentrales Risiko» für die Weltwirtschaft und damit auch die deutsche Wirtschaft die geopolitische Lage. Ein Ende des Kriegs in der Ukraine etwa sei weiterhin nicht in Sicht, weshalb der Handel der deutschen Wirtschaft mit den Partner- und Transferländern Russlands «zusätzlichen Unwägbarkeiten» ausgesetzt sei, so die Wirtschaftsexperten.

Auch die Inflation könnte eine Erholung der krisengebeutelten deutschen Wirtschaft verzögern. Zwar sei die Teuerung zuletzt gesunken und dürfte sich im kommenden Jahr bei unter 3 Prozent einpendeln, merken die Ökonomen in ihrer Prognose an. «Gleichwohl sorgen Zweitrundeneffekte über die Lohn- und entsprechende Kostenentwicklung der Unternehmen für eine teilweise Verankerung der Inflation», heisst es im Bericht weiter.

Das hat auch Folgen für die Arbeitnehmer im Land, mahnt das Institut: Die Erwerbstätigkeit und das Arbeitsvolumen werden in Deutschland im kommenden Jahr schrumpfen, die Arbeitslosigkeit wird im Jahresdurchschnitt 2024 auf 6 Prozent ansteigen.