Borussia Dortmunds Berater Matthias Sammer litt im Augsburger Stadion mit.

Der bleischwere Vize-Meister schleppt sich in der Fußball-Bundesliga nur noch dem erlösenden Jahresende entgegen. Das Sehnsuchtsziel Meisterschaft haben die Dortmunder bei einem zweistelligen Punkterückstand auf Spitzenreiter Bayer Leverkusen längst aus dem Blick verloren.

“Es wirkt alles sehr schwer, sehr gezwungen”, beschrieb Nationalspieler Julian Brandt nach dem ernüchternden 1:1 (1:1) am Samstag beim mittelmäßigen FC Augsburg die gequälte Seelenlage beim BVB. “Es ist harter Granit, auf den wir momentan beißen.”

Für den BVB läuft es nur in der Champions League

Leichtigkeit können sich die Dortmunder nur durch Erfolgserlebnisse verschaffen – diese holen sie nach nur einem Sieg aus den vergangenen sieben Bundesligaspielen aber nicht in der deutschen Eliteklasse. Nach dem Aus im DFB-Pokal läuft es für den Gruppensieger nur in der Champions League, in der am Montag das Achtelfinale ausgelost wird.

“Es ist kein Geheimnis, dass wir es in der Champions League ganz gut gemacht haben und es uns in der Bundesliga schwerfällt. Wir wollen keine Ausreden haben, sondern das Ganze annehmen”, sagte Trainer Edin Terzic drei Tage nach dem Power-Auftritt gegen Kylian Mbappés Paris Saint-Germain (1:1).

“Wir sind enttäuscht, sauer und frustriert”

Das Bundesligagesicht der Dortmunder ist trotz dicker Chancen in der Schlussphase fahl. “Wir sind enttäuscht, sauer und frustriert, weil wir zwei Punkte zu wenig geholt haben”, befand Sportdirektor Sebastian Kehl vor Journalisten nach dem blassen Remis in Augsburg. Das Minimalziel Champions League dürfe man “nicht aus den Augen verlieren.”

Das ist der kleinste gemeinsame Nenner, an dem auch Terzic gemessen wird. Wie frostig die Atmosphäre beim BVB jedoch ist, zeigen die wilden Gerüchte rund um den Verein. So brachte TV-Experte Jan Aage Fjörtoft rund um das leidenschaftliche Champions-League-Spiel der Dortmunder gegen Paris auf der Plattform X (vormals Twitter) Spekulationen in Umlauf, der wiederum bei Manchester United stark in der Kritik stehende Erik ten Hag könnte der neue Coach in Dortmund werden.

Läuft was mit dem Coach von ManUnited?

Klingt konstruiert? Die Geschichte soll dadurch plausibler werden, dass sich Sammer, der den faden Auftritt im Augsburger Stadion mitverfolgte, und ten Hag kennen. Der ehemalige Nationalspieler begann 2012 als Sportvorstand beim FC Bayern, der Niederländer kam ein Jahr später als Trainer zur zweiten Mannschaft der Münchner.

Wie solle er solche Spekulationen ausblenden, wenn er danach gefragt werde, wollte Terzic vor dem Anpfiff beim TV-Sender Sky wissen. “Das ist etwas, das ich nicht stoppen kann. Ich kann nicht beeinflussen, welche Fragen Sie stellen, aber ich kann beeinflussen, wie ich damit umgehe. Ich bin jemand, der gerne vorweggeht. Ich übernehme gerne Verantwortung und kämpfe auch gerne”, erklärte Terzic. Wichtig sei für ihn, was die Mannschaft und die Kollegen aus seinem Umfeld über ihn denken würden. “Und die geben mir ein gutes Gefühl”, versicherte Terzic.

Vergangenheitsbewältigung gegen Mainz 05

Ob das so bleibt, dürfte auch vom Jahresfinale abhängen. Die Dortmunder werden in ihrem Heimspiel am Dienstag (20.30 Uhr) gegen den FSV Mainz 05 mit ihrer am letzten Spieltag der vergangenen Saison verspielten Meisterschaft konfrontiert. Das Sechs-Punkte-Ziel für die letzten beiden Bundesligaspiele hat der BVB aber bereits jetzt verfehlt.

“Es hilft nicht zu jammern”, äußerte Terzic. “Es geht nur darum, vorwegzugehen und die Herausforderung anzunehmen. Wir werden uns der Herausforderung stellen und unsere Fans im letzten Heimspiel hoffentlich mit einem Sieg belohnen.”

Champions League: Borussia Dortmund gegen Eindhoven

Der FC Bayern und Borussia Dortmund haben für das Achtelfinale der Champions League lösbare Aufgaben erwischt, RB Leipzig bekommt es mit Rekordsieger Real Madrid zu tun. Für die Münchner geht es zum Auftakt der K.-o.-Phase im Februar und März gegen das aktuell formschwache Lazio Rom. Der BVB misst sich mit der PSV Eindhoven, die unter dem früheren Dortmunder Trainer Peter Bosz die niederländische Liga anführt. Das ergab die Auslosung am Sitz der Europäischen Fußball-Union in Nyon am Montag.

Die Hinspiele der ersten K.-o.-Runde werden zwischen dem 13. und 21. Februar ausgetragen. Die Leipziger haben dann Heimrecht, die Bayern und der BVB treten zunächst auswärts an. Die Rückspiele werden zwischen dem 5. und 13. März angesetzt. Das Ziel aller verbliebenen Teams ist das Endspiel, das am 1. Juni im Londoner Wembleystadion stattfinden wird.

Die Münchner hatten es erneut mit einer fast makellosen Vorrunde ins Achtelfinale geschafft. Fünf Siege und ein Unentschieden bedeuteten den souveränen Gruppensieg. Gegen Lazio, derzeit Tabellenelfter der Serie A, sind die Bayern klarer Favorit.

Auch die Dortmunder gewannen ihre schwere Vorrundengruppe und dürften sich gegen Eindhoven gute Chancen aufs Weiterkommen ausrechnen. Leipzig zog als Zweiter hinter Manchester City in die K.-o.-Phase ein und startet als Außenseiter gegen das Real-Starensemble. Der 1. FC Union Berlin als vierter Bundesliga-Vertreter war bei seinem Debüt in der Königsklasse als Gruppenletzter aus dem Europapokal ausgeschieden.

In den weiteren Achtelfinals trifft Titelverteidiger Manchester City auf das Überraschungsteam FC Kopenhagen, der FC Barcelona spielt gegen den italienischen Meister SSC Neapel. Paris Saint-Germain erwischte mit Real Sociedad San Sebastian einen vermeintlich leichten Kontrahenten. Der FC Arsenal muss gegen den FC Porto antreten, Inter Mailand duelliert sich mit Atlético Madrid.

Für die Champions League ist es die letzte Saison in diesem Format. Von der kommenden Spielzeit an wird der europäische Premium-Wettbewerb in der Vorrunde zu einer Art Liga mit 36 Clubs, die sich alle in einer gemeinsamen Tabelle befinden. Für jeden Teilnehmer gibt es dann zwei Gruppenspiele mehr. Zusätzlich wird es für einen Teil des Teilnehmerfeldes eine zusätzliche K.o.-Runde geben: die Playoffs für das Achtelfinale.

Die BVB-Aktie notiert am Montag im XETRA-Handel zeitweise 1,23 Prozent tiefer bei 3,61 Euro.

AUGSBURG/DORTMUND/NYON (dpa-AFX)