1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Taufkirchen (bei München)

Stand:

Von: Carina Ottillinger

Kommentare

Die Familie hinter der Gärtnerei Beck (v.l.): Ludwig mit Sohn Luis, Frau Anita mit Tochter Magdalena, Fritz jun, mit Frau Astrid, Fritz und Agnes Beck mit der Tochter Bärbel Gottmann.

Die Familie hinter der Gärtnerei Beck (v.l.): Ludwig mit Sohn Luis, Frau Anita mit Tochter Magdalena, Fritz jun, mit Frau Astrid, Fritz und Agnes Beck mit der Tochter Bärbel Gottmann. © Robert Brouczek

Die Gärtnerei Beck gehört zu den ältesten Läden im Landkreis. Sie besteht bereits seit 1893, damals wurde sie noch in Giesing gegründet. Später folgte der Umzug nach Taufkirchen.

Taufkirchen – Im hintersten Gewächshaus der Familie Beck reihen sich in sieben Beeten 3000 Weihnachtssterne. Für jede Vorliebe ist etwas dabei: Hoch oder niedrig, breit oder schmal. Die Pflanzen haben pinke, weiße oder rote Blätter. Seit der Lieferung vor vier Monaten sind die Sterne um einige Zentimeter gewachsen. Selbst jetzt bei kühlen 10 Grad im Gewächshaus. Vor der Energiekrise waren es sechs Grad mehr. Nur beim Gießen müssen die Gärtner aufpassen – wegen der Luftfeuchtigkeit. Wenn kondensiertes Wasser von der Decke auf die Pflanzen tropft, können die Blätter schimmeln.

Die Geschichte der Gärtnerei Beck beginnt Ende des 19. Jahrhunderts. 1893 gründete Emil Beck in Giesing auf einem Hektar Land eine Kunst-, Handel-, und Friedhofsgärtnerei. 1930 baute der Gärtner in sieben Erdhäusern heimische Zierpflanzen und Gemüse an. Mit einem Leiterwagen transportierte Emil Beck die Ware erst mit einem Hund, später mit dem Pferd zum Viktualienmarkt. Wegen der Stadtplanung musste sein Enkel Fritz Beck 1970 die Produktion nach Taufkirchen in die Hochstraße verlagern. Mit Ludwig Beck (27) tritt ab Januar die fünfte Generation in der Gärtnerei Beck an. Heute bietet das Geschäft neben Pflanzen, Schnittblumen und Gemüse, einen kleinen Hofladen mit regionalen und fair gehandelten Lebensmitteln an. Das Beck-Areal umfasst einen Hektar Feld und 4000 Quadratmeter Gewächshaus.

Landschaftsgärtner Ludwig Beck wohnt mit seiner Frau und den zwei Kindern direkt neben der Firma

Der kurze Dienstweg ist auch für Beck junior praktisch. Der gelernte Landschaftsgärtner wohnt mit seiner Frau und den zwei Kindern direkt neben der Firma. In den Betrieb seiner Eltern Fritz (59) und Astrid (58) ist er vor drei Jahren eingestiegen. Die Großeltern Agnes und Fritz Beck haben sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Schon als Kind sei der Sohn ein kleiner Gärtner gewesen, erinnert sich die Mutter. „Mitten in der Nacht ist er zum Papa und hat ihn gefragt, ob er die Sonnenblumenkerne gegossen hat“, erzählt sie und lacht.

1933 präsentierte Emil Beck stolz seine selbst gezogenen Treibhausrosen.

1933 präsentierte Emil Beck stolz seine selbst gezogenen Treibhausrosen. © privat

Fritz und Astrid Beck haben sich auf einem Seminar der Bayerischen Junggärtner in Grainau kennengelernt. Die Floristin aus Fürth ist 1990 in den Betrieb eingestiegen. Seitdem arbeitet sie im Blumenladen mit der Schwester ihres Mannes Bärbel Gottmann (54). Die Tulpen, ihre Lieblingsblumen, züchten die Becks in allen Farben: Gelb, Grün, Rot, Orange, Violett, Rosa und mehrfarbig. Damit die Blumen pünktlich im April erblühen, sind die Gärtner gerade dabei, die Zwiebeln auf dem Feld zu stecken.

Gärtnerei Beck arbeitet seit Jahrzehnten nachhaltig und ohne Pflanzenschutzmittel

Der Trend Umweltschutz ist für die Becks nichts Neues. „Wir arbeiten seit Jahrzehnten nachhaltig“, sagt Astrid Beck. „Unsere Pflanzen bauen wir im Einklang mit der Natur an.“ Die Familie spritzt kein Pflanzenschutzmittel. Glyphosat sei bei ihnen noch nie ein Thema gewesen. Stattdessen beseitigen Nützlinge die Schädlinge. Die Stiefmütterchen zwischen den Salatköpfen ziehen Kleintiere an. „Jedes Tierchen hat seine Aufgabe“, erklärt Fritz Beck, der Botaniker der Familie. Die Marienkäfer haben Appetit auf Blattläuse. Die Schlupfwespen verspeisen Minierfliegen oder Apfelwickler. Und die Florfliegen halten Blattläuse und Spinnmilben in Schach. Als Dünger verwenden die Becks fermentierte Erde. Die im Laufe des Jahres angehäuften Gartenabfällen reichert Fritz Beck mit Bakterien an. Nach zwei bis drei Monaten entsteht aus den Pflanzenresten nährstoffreiche Erde. Neben der Schnelligkeit hat Fermentierung einen zweiten Vorteil gegenüber Kompostierung: Der Vorgang ist geruchsarm.

Fritz Beck jun. ist der Botaniker in der Familie.

Fritz Beck jun. ist der Botaniker in der Familie. © Robert Brouczek

Doch Umweltschutz macht die Produkte teurer. Nicht jeder Konsument schätzt diese Motivation. Ständig müssen sich die Becks gegenüber der Konkurrenz behaupten. Heute binden Supermärkte Blumensträuße, Möbelgeschäfte und Baumärkte verkaufen Gemüse und Pflanzen. Was Vater und Sohn noch umtreibt ist die Personalsituation. Das Team besteht aktuell aus 17 Köpfen, davon sind vier aus der Familie. Noch ist die Gärtnerei gut aufgestellt. Aktuell bildet der Betrieb fünf Azubis aus – zwei Gärtner und drei Floristen. Doch ohne die sechs Minijobber könnten die Becks das Arbeitspensum nicht bewältigen. Der Fokus bleibe daher auf den etablierten Bereichen: Floristik, Gemüse, Friedhof und Gartenbau. Das Team setzt neue Hecken oder gestaltet Gartenwege. Die Planung neuer Gärten sei zwar nicht verworfen, aber im Moment zu zeitintensiv. Für die nächsten Jahre wünscht sich Beck junior, das Geschäft im Sinne seines Ururgroßvaters aufrechterhalten zu können.

Auch interessant