Eine Änderung in Apples Podcast-App in iOS 17 zeigt offenbar Auswirkungen auf die Download-Zahlen von Podcasts weltweit. In der aktuellen Version des iPhone-Betriebssystems wurden die automatischen Downloads von Podcast-Folgen begrenzt. Dies dürfte für Herausgeber von Podcasts zu einer höheren Aussagekraft der Zahlen führen, quantitativ aber erstmal einen Abwärtstrend einleiten. iOS 17 erschien im September für aktuelle und viele ältere iPhone-Modelle.

Die ins System integrierte Podcast-App von Apple ist offenbar für viele Podcast-Hörer die erste Wahl, obwohl es mit Apps wie Overcast und Pocket Casts auch Alternativen im App Store gibt. Marktanalysen beziffern den Anteil von Apples App an Podcast-Downloads seit Jahren zwischen 25 und 30 Prozent. Der sehr hohe Anteil rührt daher, dass Apple schon sehr lange auf Podcasts setzt und dadurch auch zum Beispiel mit seinem Verzeichnisdienst einen zeitlichen Vorsprung gegenüber Mitbewerbern hatte, die erst später hinzukamen.

Veränderungen in Apples Podcast-App wirken sich dementsprechend spürbar auf das Abrufverhalten von Podcasts aus. Seit iOS 17 schaut Apple genauer hin, ob Nutzer einen Podcast noch aktiv hören. Wurde seit mehr als 15 Tagen keine der letzten fünf Folgen eines in der App abonnierten Podcasts wiedergegeben, werden die automatischen Abrufe beendet, wie Apple auf einer Informationsseite für Creator mitteilt. Bislang rief die App immer weiter neue Folgen ab, solange Nutzer das Abo nicht beendeten, was die Downloadzahlen von Podcasts in die Höhe trieb. Das iPhone stoppt die automatischen Abrufe nunmehr auch, wenn der Speicherplatz auf dem Gerät knapp wird.

Kehren Podcast-Hörer nach längerer Abstinenz zu einem Podcast zurück, werden außerdem nicht mehr verpasste ältere Folgen heruntergeladen. Gleiches gilt auch für nachträgliches Hinzufügen von Archivfolgen durch Podcastanbieter. Diese wurden durch die App bei aktivem Abo vor iOS 17 auch automatisch geladen.

Apples Änderungen sollen vor allem das Nutzererlebnis für iPhone-Besitzer verbessern, tragen aber auch dazu bei, dass die ohnehin oftmals schwammigen Podcast-Statistiken akkurater werden. Zwar gibt es durch Verbesserungen bei Plattformen wie Apple und Spotify mittlerweile Statistiken, die über die reinen Abrufzahlen hinausgehen und auch Aufschluss über das Hörverhalten innerhalb einer Folge geben. Zwischen den Plattformen ist der Detailgrad jedoch sehr unterschiedlich und nicht überall gibt es zum Beispiel demografische Daten, die etwa Werbetreibende besonders interessieren. “Zombiehörer”, die aufgrund eines vergessenen Abos und automatischer Downloads immer weiter in den Zahlen auftauchen, konnten bislang nicht herausgefiltert werden.

Das US-Technikmagazin “The Verge” hat in den USA beobachtet, dass sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Anbieter von Podcasts in diesem Jahr ihr Personal reduziert haben – da iOS 17 erst im September erschien, ist ein direkter Zusammenhang aber sehr unwahrscheinlich. Von der Blütephase im Jahr 2019, als zum Beispiel der schwedische Streamingplattform-Anbieter Spotify drei Millionen US-Dollar in den Ausbau seines Podcast-Geschäfts investierte, sei aktuell nicht mehr viel zu spüren, obwohl insgesamt gesehen die Hörerzahlen und Werbeerlöse steigen würden. In Deutschland kamen die jüngsten Massenkommunikations-Trends von ARD und ZDF zu dem Ergebnis, dass das Interesse an Podcasts stagniert. Große Anbieter wie CNN, die Los Angeles Times, das öffentlich-rechtliche NPR und auch Spotify hätten sich von vielen Mitarbeitern getrennt, die mit Podcasts befasst waren.

Für das Jahr 2024 werde wieder eine positivere Entwicklung erwartet – offenbar aber mit weniger Personal. Und in dem stark gewachsenen Angebot der Formate wird mit einer Konsolidierungsphase gerechnet, weil die Zahl der Hörer nicht in gleichem Maße wie die Zahl der Podcasts gewachsen ist. Die realistischeren Zahlen dürften sicher mit dazu beitragen, herauszufinden, welche Formate entbehrlich sind.

(mki)