Das mailändische Unternehmen Asacert überprüft, welche Restaurants ausserhalb von Italien auch wirklich authentische italienische Küche servieren – und wer bloss so tut.

Julia Gisi

Das Restaurant von Luca Giuliano und Marika Biondo (Mitte) hat von der italienischen Prüfstelle die Bestnote verliehen bekommen.

Das Restaurant von Luca Giuliano und Marika Biondo (Mitte) hat von der italienischen Prüfstelle die Bestnote verliehen bekommen.

Foto: zvg

Dass im Sicilia an der Hammerstrasse italienische Kost auf den Tisch kommt, ist bekannt. Ebenso, dass die servierten Speisen aus dem Kochtopf von Chef Luca Giuliano äusserst schmackhaft sind – das Restaurant setzt auf typisch sizilianische Spezialitäten. Was neu ist: Ein offizielles Dokument bestätigt den hohen Grad eingesetzter Italianità in der «Sicilia»-Küche.

Das mailändische Prüfunternehmen Asacert hat es sich zur Aufgabe gemacht, ausserhalb von Italien den Weizen vom Spreu zu trennen, wenn es um «wahre» italienische Restaurants geht – und jene, die sich zwar als solche ausgeben, entsprechende Qualität aber vermissen lassen. Dem Sicilia von Luca Giuliano und Marika Biondo verlieh dieses Kontrollorgan del gusto italiano die bestmögliche Note: «ITA 0039 / 100 % Italian Taste». Das Restaurant ist also hochoffiziell hundertprozentig italienisch.

Doch wieso das Ganze?

«Zwei von drei im Ausland vermarkteten Produkte mit angedeuteter italienischer Herkunft haben nur scheinbar einen Bezug zu unserem Land», heisst es auf der Website von Asacert. Mit den geografischen Namen, Bildern oder Marken, die bloss italienisch klingen, es aber nicht sind, würde Profit gemacht. So ginge der italienischen Wirtschaft eine Menge Geld durch die Lappen: Weltweit würden diese «italienisch klingenden» Produkte 54 Milliarden Euro generieren, also mehr als doppelt so viel wie die tatsächlich exportierten italienischen Agrarlebensmittel im Wert von 23 Milliarden Euro. Der Vergabe von Standardzertifikaten liegt also auch eine wirtschaftliche und marketingorientierte Motivation zugrunde.

Auf der Weinkarte wird nicht gespasst

Ein Zertifikat erhalte auf Anfrage nur, wer frische Zutaten wie beispielsweise Mehl, Öl, Milchprodukte oder Wurstwaren aus Italien verwende. Ausserdem erlaubt sich die Prüfstelle einen Blick auf die Speisekarte. Dort müssen traditionelle italienische Gerichte aufgeführt und korrekt wiedergegeben sein. Und auch mit der Weinkarte wird nicht gespasst – die Mehrheit der aufgeführten Tropfen muss aus unserem südlichen Nachbarland stammen. Gnädiger zeigt man sich beim Personal: Da muss im Minimum eine Person italienischer Herkunft sein oder zumindest erhebliche Berufserfahrung aus dem italienischen Gastrometier mitbringen. Gern gesehen wird zudem auch eine Art von «Made in Italy»-Promotion.

All die wichtigen Kriterien scheint das Sicilia erfüllt zu haben: «Aufgrund unserer Zutaten, der Weine und des eingestellten Personals haben wir das Zertifikat erhalten», sagen die Gastgeber Luca Giuliano und Marika Biondo auf Anfrage. Im Vorfeld habe man viele Fragen beantworten, Lieferscheine als Beweis vorlegen und auch Audits bestehen müssen. «Wir sind sehr zufrieden und glücklich über das Resultat.»

Bislang ist ihr Restaurant eines von insgesamt nur zwei italienischen Restaurants in der Schweiz, die die Zertifizierung erhalten haben.

Julia Gisi ist Mitarbeiterin des lokalen Ressorts Kultur und Gesellschaft. Mehr Infos

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