Startseite Lokales Erding Erding Stand: 04.02.2024, 16:55 Uhr

Von: Hans Moritz

Kommentare

Rund 2500 Bürger beteiligten sich an der Demo am Sonntagnachmittag auf dem Erdinger Volksfestplatz. Die gut einstündige Veranstaltung verlief störungsfrei. © Günter Herkner Rund 2500 Menschen, darunter zahlreiche Politiker aus der ganzen Region, haben am Sonntagnachmittag ein Zeichen gegen den wachsenden Rechtsradikalismus gesetzt. Die gesamte Zivilgesellschaft sei jetzt gefordert, betonten die Redner.

Erding – Für ihre Appelle, Demokratie und Grundgesetz zu schützen und Menschen mit Migrationshintergrund gleich zu behandeln, ernteten die Redner viel Applaus. Die Initiatoren von „Bunt statt Braun“ zeigten sich mit dem Verlauf und der Resonanz sehr zufrieden. Die Versammlung verlief störungsfrei.

Kreativer Protest: Viele Teilnehmer waren mit bunten Schildern gekommen. Auf einem stand: „Moni (Gruber), wo bist Du heute?“ © Hans Moritz Veranstalterin Ulla Dieckmann sagte beim Blick in die Menge: „Das ist ein starkes Zeichen. Ihr seid spitze.“ Moderator Georg Bauernfeind zitierte den KZ-Überlebenden Max Mannheimer, der immer wieder in Erding zu Gast war. Jeder sei nun gefordert, Verantwortung zu übernehmen. Er sehe viele jüngere und ältere Menschen, Bürgermeister und Abgeordnete. „Die Mischung zeigt: Wir sind mehr, wir stehen für Vielfalt und Toleranz“, so der 18-jährige Schüler,

Erdings OB Max Gotz sprach von einem „fantastischen Bild“. „Wir zeigen heute alle Gesicht, wir zeigen, dass wir für Werte stehen. Wir lassen uns nicht verrücken.“ Die Geschichte, so Gotz, lehre, „dass Extremismus in Unmenschlichkeit mündet“. Die AfD sei wahrlich keine Alternative. Im Gegenteil, sie wolle benachteiligte Menschen aus der Mitte der Gesellschaft holen und den Parteienstaat zertrümmern. Gotz sagte, er hätte sich nie träumen lassen, dass der Begriff der Deportation jemals wieder in den Sprachgebrauch zurückkehren werde. „Dafür müsste man sich eigentlich schämen, wir aber stellen uns dem entgegen“, sagte der OB unter Applaus.

Er kritisierte aber auch FW-Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger, der an selber Stelle im Juni 2023 erklärt hatte, das Volk müsse sich „die Demokratie zurückholen“. „Das sind genau die Worte, die wir nicht brauchen.“

Die Redner (v.l.): Ulla Dieckmann, Ulrike Scharf, Benedikt Klingbeil, Petra und Georg Bauernfeind, Konrad Thees, Max Gotz, Martin Garmaier und Zeynep Gencer. © Hans Moritz Gotz erinnerte daran, dass in Erding in 74 Unterkünften Migranten lebten. „Wir haben nicht zu bewerten, warum diese Menschen zu uns gekommen sind. Meine Aufgabe ist es, ihnen ein Dach über dem Kopf zu geben.“ Dass er dafür von Mitbürgern beschimpft werde, „ist für mich auch versteckter Rechtsextremismus“.

Konrad Thees von den Grünen konstatierte: „Die Demokratie ist in Gefahr.“ Ein rechtsradikaler Ministerpräsident Björn Höcke in Thüringen sei eine reale Gefahr. Man habe sich auch versammelt, so Thees weiter, „um das Grundgesetz zu schützen und um unsere Demokratie zu kämpfen“. Die Zivilgesellschaft brauche nun „jeden Tag Mut und muss aufstehen, wann es immer das Grundgesetz zu delegitimieren versucht wird“. Für Thees ist es überfällig, dass das Bundesinnenministerium jetzt das Material für ein potenzielles Verbot der AfD sammelt. Man dürfe nicht warten, bis Höcke in politischer Verantwortung in der Lage sei, belastende Unterlagen zu schreddern.

Zweite Bürgermeisterin und Nachbarschaftshilfe-Vorsitzende Petra Bauernfeind sagte mit Blick in die Menge: „So sieht die Brandmauer aus.“ Man müsse aktiv gegen alle Bestrebungen vorgehen, das System zu stürzen. Wer unzufrieden sei, könne sich jederzeit in einer der demokratischen Parteien engagieren. Sie lobte das Engagement der jungen Generation.

Pfarrer Martin Garmaier begrüßte explizit auch Muslime, Juden und Menschen, die sich von der Kirche abgewendet hätten. Jesus Christus sei auch immer aufseiten derer gestanden, die Beistand brauchten. Mit Blick auf die Popularität Höckes in Thüringen sagte Garmaier: „Auch Hitler wurde demokratisch gewählt. Aber niemand wird behaupten, er sei Demokrat gewesen.“ Peinlich sei die AfD auch in Bayern – wenn vor der ersten Landtagssitzung einem Abgeordneten die Immunität entzogen werden müsse, weil wegen Volksverhetzung gegen ihn ermittelt werde.

VdK-Kreisgeschäftsführerin Zeynep Gencer erklärte, aufgrund ihrer türkischen Wurzeln sei die Türkei ihr Mutterland. Weil aber ihr Vater in den 70er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und am deutschen Wirtschaftswunder beteiligt war, sei Deutschland ihr Vaterland.

Der junge Fußballschiedsrichter Benedikt Klingbeil erklärte, beim Sport komme es nicht auf Herkunft oder Hautfarbe an, sondern nur darum, dass sich alle an die Regeln halten. Jeder, der die AfD wähle, wisse, wem er seine Stimme gibt. „Aber es wäre falsch, alle AfD-Wähler in die rechte Ecke zu stellen. ham

Auch interessant