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Von: Boris Forstner

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Das erste Wolfspaar in der Region hat Nachwuchs gezeugt: Wie das Landesamt für Umwelt mitteilt, gibt es einen Fotonachweis von drei Wolfswelpen aus dem Landkreis Weilheim-Schongau.

Landkreis – Fast eineinhalb Jahre ist es her, dass der weibliche Wolf mit der Kennung GW3050f erstmals offiziell in der Region aufgefallen ist. Am 13. und 28. Oktober 2022 wurde die Losung, also der Kot des Tiers, nachgewiesen. Am 23. und 26. Januar 2023 wurden Urinspuren des Wolfs im Schnee gefunden – und von einem weiteren Tier, nämlich einem männlichen Wolf mit der Kennung GW2187m. Weil das mitten in der sogenannten Ranzzeit passierte, also wenn Wölfe sich paaren, war Fachleuten schnell klar, dass dort möglicherweise Nachwuchs zu erwarten ist.

Das wurde jetzt durch das Bild einer Wildtierkamera offiziell bestätigt: „Der Fachstelle Große Beutegreifer am Bayerischen Landesamt für Umwelt liegen Aufnahmen einer Wildtierkamera vom 28. November aus dem Landkreis WeilheimSchongau vor, auf denen drei Welpen zu erkennen sind“, teilte ein LfU-Sprecher auf Anfrage mit. Der Nachweis sei nach entsprechender Prüfung auf der Monitoringseite zum Wolf veröffentlicht worden.

Landesamt für Umwelt bestätigt Wolfsnachwuchs im Landkreis Weilheim-Schongau

Seitdem klar war, dass sich dort ein Wolfspaar gefunden hat, wurde es als standorttreu eingestuft und ihm ein Revier mit dem Namen „Staffelsee-West“ verpasst. Wolfsreviere sind groß, umfassen je nach Größe eines Rudels laut LfU 100 bis 350 Quadratkilometer. Das Revier Staffelsee-West erstreckt sich über Teile der Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen.

Junge Wölfe: Dieses Bild einer Fotofalle stammt aus Mecklenburg-Vorpommern.

Junge Wölfe: Dieses Bild einer Fotofalle stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. Ein Bild mit drei Welpen wurde Ende November auch im Landkreis Weilheim-Schongau aufgenommen, wie das Landesamt für Umwelt bestätigt hat. © Dpa

Interessant ist die Frage, ob GW2187m tatsächlich der Vater der Welpen ist. Denn im Juni wurde bei einem Nutztierriss neben dem weiblichen Wolf nicht seine DNA entdeckt, sondern die von einem anderen männlichen Wolf mit der Kennung GW2973m. „Anhand von Fotos lassen sich Wolfsindividuen nur äußerst schwer unterscheiden. Daher ist keine belastbare Aussage zu den Elterntieren möglich“, sagt das LfU auf diese Frage. Neben den Fotonachweisen der Welpen gab es zwischen Juni und November drei weitere bestätigte Fotofallen-Nachweise aus dem Gebiet Staffelsee-West. Das Muttertier hat dagegen weiter fleißig Spuren hinterlassen, sei es als Losung oder bei mehreren Schafsrissen.

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Wolfsjunge im Alter von sechs bis sieben Monaten schon fast so groß wie ihre Eltern

Spannend wird sein, wie es im Frühjahr weitergeht, wenn die Landwirte ihre Rinder und Schafe wieder auf die Weiden treiben. Denn die jungen Wölfe, die nach einer Tragzeit von rund zwei Monaten (also vermutlich im Frühsommer) geboren wurden, sind im Alter von sechs bis sieben Monaten schon fast so groß wie die Eltern. Wölfe leben in Rudeln, die als Familienverband aus den Elterntieren und ihren Nachkommen des aktuellen Jahres und der letzten zwei bis drei Jahre besteht.

Eine umkämpfte Rangordnung, wie man sie aus der Haltung von Wölfen in Gefangenschaft kennt, gibt es bei frei lebenden Wölfen nicht, heißt es auf der Homepage des LfU. In der Regel verlassen Jungwölfe im Alter von zehn bis 22 Monaten das elterliche Territorium und suchen nach einem Geschlechtspartner und einem eigenen Territorium.

BBV-Kreisobmann hält Entwicklung für „dramatisch“

Wolfgang Scholz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, hält die Entwicklung beim Thema Wolf für „dramatisch“. Es gebe mittlerweile sehr viel Misstrauen gegen die Praxis des LfU. Deshalb begrüßt Scholz es sehr, dass das Landratsamt derzeit eigene Gutachter zum Wolfsnachweis fortbildet. „Wir wollen, dass auch jemand von der Seite der Landwirtschaft zu so einem Gutachter wird“, fordert Scholz.

Joseph Grasegger aus Garmisch-Partenkirchen, Vorsitzender des Landesverbands bayerischer Schafhalter, sieht die Landwirtschaft im Alpenvorraum „vor dem Aus“, wenn es so weitergeht. Die Herdenschutzmaßnahmen seien so, wie sie derzeit gefordert werden, nicht machbar, „das hat mittlerweile auch die Bundesregierung erkannt“, sagt Grasegger. „Wir sind für Weidegebietszonen, mit allen Konsequenzen“ – also auch dem Abschuss von Wölfen in diesen Zonen.

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