Drei Menschen sterben durch Feuerwerkskörper – Randale und Hunderte Festnahmen in Berlin

Bei Ausschreitungen in der deutschen Hauptstadt nahm die Polizei rund als 390 Personen fest. Es gab erneut Angriffe auf Einsatzkräfte. Polizei und Feuerwehr wurden mit Raketen und Böllern attackiert.

Grosseinsatz in der Silvesternacht für die Berliner Polizisten, die von Beamten aus anderen Bundesländern unterstützt wurden.

Grosseinsatz in der Silvesternacht für die Berliner Polizisten, die von Beamten aus anderen Bundesländern unterstützt wurden.

Christian Mang / Reuters

(dpa)/jsh./suk. Krawalle und Ausschreitungen wie vor einem Jahr blieben diesen Silvester in Berlin aus. Trotzdem verlief der Jahreswechsel in der deutschen Hauptstadt alles andere als friedlich. Die Polizei war mit etwa 5000 Beamten im Einsatz – so vielen wie noch nie an Silvester. Erneut wurden Polizisten und Feuerwehrleute mit Böllern beworfen und mit Raketen beschossen. In einigen Stadtteilen randalierten Gruppen von meist Jugendlichen.

Insgesamt wurden etwa 390 Personen in der Silvesternacht in Berlin vorläufig festgenommen – viele wegen Verstössen gegen das Sprengstoffgesetz. 54 Einsatzkräfte seien verletzt worden, 30 davon durch Pyrotechnik, wie eine Polizeisprecherin sagte. Acht der verletzten Polizisten hätten ihren Dienst nicht fortsetzen können. 720 Ermittlungsverfahren seien eingeleitet worden.

Trotzdem sei der Silvesterabend besser gelaufen als im Vorjahr, teilte die Berliner Polizei mit. Zum Jahreswechsel vor einem Jahr war es zu schweren Ausschreitungen im Berliner Stadtbezirk Neukölln gekommen: Rettungskräfte waren eingekesselt und massiv mit Feuerwerk beschossen worden.

Auch in diesem Jahr wurden Polizisten mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Auf dem Alexanderplatz im Zentrum der Hauptstadt bewarfen sich zunächst 500 Menschen gegenseitig mit Pyrotechnik, wie die Polizei auf X (vormals Twitter) mitteilte. Beamte hätten sie auseinandergetrieben und auf Feuerwerk kontrolliert. Daraufhin seien aus einer etwa 200-köpfigen Gruppe heraus Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beschossen worden. Mehrere Personen wurden festgenommen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wiederholte am Neujahrsmorgen ihre Forderung nach einem Verbot für Pyrotechnik für den Privatgebrauch. Es sei reines Glück, dass Einsatzkräfte nicht noch schwerer verletzt worden seien, erklärte Berlins GdP-Landeschef Stephan Weh. Er hoffe, dass sich die Politik «nicht wieder nur in Phrasen erschöpft», sondern dass es endlich nachhaltige Massnahmen gebe.

In Neukölln erwischten Polizisten mehrere Personen dabei, wie sie aus Benzin und Glasflaschen elf Molotowcocktails bauten. Neun Verdächtige wurden festgenommen. Im südlichen Berliner Stadtteil Lichtenrade randalierte eine grosse Gruppe von Menschen. «Sie soll auf alles geschossen haben, was sich bewegt», schrieb die Polizei. In Dutzenden Mitteilungen beschrieb die Polizei auf X, wie Jugendliche Böller auf Passanten warfen, Männer mit Schreckschusspistolen auf Kinder feuerten und Linienbusse angegriffen wurden.

Sie füllten Benzin in Glasflaschen und steckten gerade Stofffetzen als Lunte hinein, als sie von unseren Einsatzkräften in #Neukölln entdeckt wurden. Grillanzünder hatten sie auch dabei.
9 #Festnahmen & 11 sichergestellte Molotow-Cocktails#b3112

— Polizei Berlin Einsatz (@PolizeiBerlin_E) December 31, 2023

Drei Tote nach Explosion von Pyrotechnik

Trotz allen Warnungen kam es auch in diesen Jahr zu schweren Verletzungen durch Feuerwerkskörper. Für drei junge Männer endete der Silvesterabend sogar tödlich: Ein 18-Jähriger kam in Koblenz beim Zünden eines Böllers ums Leben, wie die Polizei mitteilte. Der junge Mann sei trotz Reanimation an den Folgen der Explosion gestorben. Die Ermittlungen zu den Umständen dauerten an.

Ebenfalls ein 18-Jähriger starb im bayrischen Eschlkam nach schweren Kopfverletzungen. Der junge Mann warf laut bisheriger Information der Polizei einen Böller in ein Kunststoffrohr. Der Böller explodierte in dem Moment, als der Mann mit dem Kopf über dem Rohr war. Die Kriminalpolizei ermittelt zu den Hintergründen des Vorfalls.

In Sachsen kam bei der Zündung einer sogenannten Kugelbombe ein 22-Jähriger ums Leben. Laut der Polizei in Görlitz hatte der junge Mann in Tschechien illegal Pyrotechnik eingekauft. Bei der Explosion erlitt er schwerste Gesichtsverletzungen und starb noch am Unfallort.

In Berlin meldet das Unfallkrankenhaus in Marzahn auf X, dass bereits 27 Personen mit schweren Augenverletzungen, Brandwunden und Sprengverletzungen an den Händen und im Gesicht behandelt werden müssten. In der Rettungsstelle hätten Patienten mit «zum Teil dramatischen Amputationsverletzungen» versorgt werden müssen. Neun Böllerverletzte mussten per Helikopter in das Spital gebracht werden.

#Christoph Berlin landet auf dem Helikopterpad des @ukbberlin und bringt neue Böllerverletzte. pic.twitter.com/Zwa1Sp4Viu

— ukb (@ukbberlin) January 1, 2024

Laut Berliner Polizei verlor ein 40-Jähriger beim Abfeuern einer Signalrakete im Ortsteil Kaulsdorf eine Hand. Unmittelbar nach der Zündung sei die Rakete in seiner Hand explodiert.

Angriffe auf Polizei und Feuerwehr

Auch in anderen deutschen Städten griffen Randalierer Einsatzkräfte an. Eine Gruppe von etwa 80 Personen attackierte in Freiburg mehrere Polizeistreifen gezielt mit Feuerwerkskörpern. Eine Beamtin wurde dabei leicht verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Einsatzkräfte waren im Freiburger Stadtteil Stühlinger mit dem Hinweis auf Strassenbarrikaden gerufen worden. Vor Ort fanden sie einen Autoanhänger quer auf der Strasse vor. Unmittelbar nach dem Eintreffen seien die Streifen angegriffen worden. Durch angerückte Verstärkung sei die Menschenmenge zurückgedrängt worden.

Mit Steinen und Feuerwerk wurden mehrere Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei in Solingen angegriffen. Zu den Übergriffen kam es bei Löscharbeiten an Müllcontainern. Die Feuerwehr zog sich zunächst zurück und konnte nur unter Polizeischutz die Brände löschen.

Mehr Verdächtige in Gewahrsam nach Kölner Terroralarm

Wegen des mutmasslich geplanten Terroranschlags am Kölner Dom waren die Sicherheitskräfte dort besonders wachsam. Der Polizeipräsident sagte bei einer Pressekonferenz am Sonntag, der mutmasslich geplante Anschlag habe mit einem Auto verübt werden sollen. Es habe sich herausgestellt, dass der schon an Heiligabend in Gewahrsam genommene Tadschike Teil eines grösseren Netzwerkes sei.

Rund 1000 Polizisten waren an Silvester rund um den Dom im Einsatz. Die Polizei hatte Hinweise auf einen geplanten islamistischen Anschlag auf den Kölner Dom erhalten, die sich auf Silvester bezogen. Unter massivem Polizeischutz zelebrierte Kardinal Rainer Maria Woelki dann am Abend die gutbesuchte Silvestermesse.