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Von: Laura Forster

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Ab 1. April ist Schluss: Inhaber Michael Wilhelm schließt die Korbinian-Apotheke in Ismaning.

Ab 1. April ist Schluss: Inhaber Michael Wilhelm schließt die Korbinian-Apotheke in Ismaning. Foto: Ulla baumgart © Ulla baumgart

Eine der ältesten Apotheken in Ismaning und Umgebung muss für immer schließen: die Korbinian-Apotheke. Der Besitzer bedauert die Aufgabe sehr, die Gründe sind zum Teil ärgerlich.

Ismaning – 50 Jahre gibt es sie bereits, Generationen von Ismaningern haben ihre Kopfschmerztabletten oder ihren Hustensaft dort gekauft und sich von den Mitarbeitern beraten lassen, seit zwei Jahrzehnten wird sie von Michael Wilhelm geführt. Doch nun ist Schluss: Die Korbinian-Apotheke in der Korbinianstraße 14 – eine der ältesten in der Umgebung – schließt zum 1. April.

„Es macht mich sehr traurig, das alles aufzugeben“, sagt der 50-Jährige, der noch zwei weitere Apotheken, die Falken-Apotheke in Ismaning und die Stern-Apotheke in München, betreibt. „Hier in dieser Apotheke hat alles angefangen“, erinnert er sich. „Doch der Gedanke reift schon seit vergangenem Jahr. Die ganze Misere – alles was in der Apotheken-Branche derzeit los ist – hat die Überlegung noch verstärkt.“ Wilhelm beendet das Kapitel Korbinian-Apotheke aus Gründen, „die ich nicht beeinflussen kann“, wie etwa wegen Personalmangel, wegen des hohen Bürokratieaufwandes und der gestiegenen Energiekosten.

Korbinian-Apotheke in Ismaning macht dicht: Fachkräfte- und Personalmangel

Der Fachkräfte- und Personalmangel beschäftigt Wilhelm schon seit Jahren. „Das ist ein großes Thema. Wir haben massive Personalnot und Nachwuchssorgen.“ Außerdem stehen die Apotheken in München und Umgebung beim Thema Mitarbeiter in Konkurrenz mit pharmazeutischen Firmen. „Die bezahlen besser und haben keine Samstags- oder Notdienste. Wir hingegen habe seit 2014 keine Honoraranpassung mehr gehabt.“ Hinzu kommen die gestiegenen Ausgaben. „Die Stromkosten haben sich verdreifacht.“ Auch das Heizen sei deutlich teurer geworden.

Was Wilhelm und seine Mitarbeiterinnen aber vor allem den letzten Nerv und kostbare Zeit raubt, ist die zunehmende Bürokratie. „Das ist Wahnsinn“, sagt der Apotheker und nennt etwa das erst kürzlich eingeführte E-Rezept. „Das hat katastrophale Auswirkungen.“ Denn es funktioniere in vielen Fällen nicht einwandfrei. „Oft ist es nicht richtig überspielt oder es gibt Probleme bei der Signatur des Arztes.“

Bürokratie und Lieferengpässe

Neben der hohen Bürokratie halten die Lieferengpässe noch an, was für das Personal die Suche nach ähnlichen Medikamenten bedeutet. „Wir haben etwa 30 Prozent mehr Zeitaufwand als früher. Meine Mitarbeiterinnen machen regelmäßig Überstunden“, sagt Wilhelm. Doch das hat bald ein Ende. Die sechs Mitarbeiterinnen behalten alle ihren Arbeitsplatz und unterstützen ab April in den beiden Filialapotheken. „Es freut mich, dass ich meine Mitarbeiterinnen ein bisschen entlasten kann“, sagt Michael Wilhelm, der insgesamt 32 Angestellte hat – ausschließlich Frauen.

Den Kunden hat der Apotheker vor etwa vier Wochen von der Schließung berichtet. „Wir haben viele Stammkunden, die seit Jahrzehnten bei uns einkaufen. Natürlich finden sie es sehr schade, dass es die Apotheke bald nicht mehr gibt.“

Vorwurf: „Wertschätzung von Gesundheitsminister Lauterbach gleich Null“

Was Wilhelm ärgerlich stimmt, ist die Einstellung der Politik gegenüber der Branche. „Die Wertschätzung von Gesundheitsminister Lauterbach ist gleich Null“, sagt er. „Während der Pandemie haben wir unter Hochdruck gearbeitet, um die Bevölkerung mit Tests oder Masken zu versorgen – oft auf dem letzten Drücker – und jetzt wird uns ein Knüppel gegen die Beine geworfen.“ Apotheken sind für viele Bürger der erste Ansprechpartner, wenn sie krank sind. „Ärzte haben immer weniger Zeit. Deshalb sind wir umso wichtiger. Doch wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen.“

Apothekensterben ist ein bundesweites Phänomen. Insgesamt gibt es in Deutschland nur noch rund 18 000 Filialen – viel zu wenig im europaweitem Vergleich. Auf 100.000 Einwohner kommen in Deutschland 22 Filialen, der europäische Durchschnitt liegt bei 32. Laut einer Statistik der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände ist die Zahl der Apotheken so gering wie zuletzt vor 40 Jahren. „Das ist eine erschreckende Entwicklung, doch ich kann meine Kollegen verstehen.“

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