Berlin hat mit über 170 Museen eine gigantische Auswahl, die für jeden Geschmack etwas bietet. Denn nicht alle Besucherinnen und Besucher laufen gern stundenlang an Vitrinen vorbei und studieren Infotafeln mit langen Texten zur Geschichte einzelner Objekte.

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Wer es modern, immersiv, kurzweilig und außergewöhnlich möchte, kann in der Hauptstadt aus dem Vollen schöpfen: ekliges Essen, Zeitreisen, optische Täuschungen oder ein Held aus der Kindheit – mit diesen Museumstipps kannst du Sightseeing mal ganz anders erleben.

1. Disgusting Food Museum

Würdest du an einem Imbisswagen deinen Geldbeutel zücken, an dem du dir einen frischen Frosch-Smoothie mixen lassen kannst? Vermutlich eher nicht. In Peru finden das aber viele Leute sehr lecker. Und das ist nur eine von etwa 90 kulinarischen Kuriositäten, die das Disgusting Food Museum in Berlin-Mitte zeigt. Dabei geht es allerdings gar nicht darum, andere Essgewohnheiten als eklig zu diffamieren. Vielmehr soll das Verständnis dafür geweckt werden, wie sehr unsere Vorstellung von gutem Essen kulturell geprägt ist.

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Ekliges in Dosen gibt es im Disgusting Food Museum.

Ekliges in Dosen gibt es im Disgusting Food Museum.

Quelle: Tina Hoffmann

In Japan liebt man Kitkats in ungewöhnlichen Geschmacks­richtungen, in Südamerika grillt man Meerschweinchen und in China gibt es Schnaps mit eingelegten Mäusebabys. Klingt schlimm? Aber wie würden andere auf unseren Speiseplan blicken? Auf Blutwurst oder Gänsestopfleber, die unter grausamsten Bedingungen für die Tiere hergestellt wird. Und auch noch eine lokale Spezialität, die heute wohl eher selten in der Hauptstadt auf den Tisch kommt, wird hier vorgestellt: das „Berliner Schnitzel“ aus Kuheuter. Auch Gerüche spielen beim Essen eine Rolle. Was manche verzückt, dreht anderen den Magen um. Deine eigenen Grenzen kannst du an der Verkostungsstation austesten, außerdem bekommst du eine kleine Snackbox to go, die eher einer Mutprobe gleicht.

2. Lippenstiftmuseum

Ein ganzes Museum für einen Kosmetikartikel? Warum denn nicht? Tatsächlich steckt viel mehr Spannendes in diesen kleinen Dingern, als man denkt. Schon im alten Ägypten galt es als schön, Farbe auf die Lippen aufzutragen, und es gab im Laufe der Zeit immer neue Ideen, um sich die Lippen schön zu machen. In Stiftform kam das Produkt dann 1883 auf den Markt. Das und vieles mehr erfährst im Lippenstiftmuseum, das du tatsächlich nur im Rahmen von Führungen besichtigen kannst.

Kitsch und ganz viel Bling-Bling machen das Lippenstiftmuseum so besonders.

Kitsch und ganz viel Bling-Bling machen das Lippenstiftmuseum so besonders.

Quelle: Tina Hoffmann

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Die kleine Zeitreise umfasst aber viel mehr als historische Lippenstifte. Das Team um Starvisagist René Koch hat allerlei zusammengetragen. Vor allem Andenken an große deutsche Stars wie Marlene Dietrich oder Hildegard Knef, eine persönliche Freundin des Museumsgründers, der gern ulkige Anekdoten zum Besten gibt. Wer Geschichten aus dem Nähkästchen liebt, kann den Museumsbesuch auch mit Kaffeekränzchen buchen. So oder so: Fans von Glitter, Glamour und Kitsch kommen hier voll auf ihre Kosten und erleben Geschichte mal ganz anders.

3. Bud Spencer Museum

Für viele Menschen jenseits der 40 gehört Bud Spencer, der mit bürgerlichem Namen Carlo Pedersoli hieß, zu den großen Helden ihrer Kindheit. Seine derb-witzigen Sprüche und seine lässigen Schlägereien sind einfach Kult. Trotzdem ist es eher überraschend, dass ihm direkt Unter den Linden in Berlin ein eigenes Museum gewidmet wurde. Wer durch die Ausstellung schlendert, stellt schnell fest: Der Schauspieler hatte unzählige Talente. In seinen jungen Jahren schwamm er Wettkämpfe und gewann etliche Medaillen, er war Erfinder, er schrieb, er sang, er flog und gründete sogar eine eigene Airline.

Bud Spencer steht in Sheriffs-Kluft für ein gemeinsames Selfie bereit.

Bud Spencer steht in Sheriffs-Kluft für ein gemeinsames Selfie bereit.

Quelle: Tina Hoffmann

Aber natürlich begegnest du in dem Museum auch seinem Buddy Terence Hill. Mit dem deutschstämmigen Schauspieler, der als Mario Matteo Girotti geboren wurde, drehte Spencer unzählige Komödien. Das Filmduo gehört zusammen wie Laurel und Hardy, Marty McFly und Doc Brown oder Han Solo und Chewbacca. Nicht alle ihre Streifen sind gut gealtert, aber trotzdem: Hingehen, in die Kinolounge setzen und sich der Nostalgie hingeben ist ein Muss!

4. Illuseum

Eher wie eine Erlebnis­attraktion als ein Museum präsentiert sich das Illuseum. Hier ist alles interaktiv und nichts wie es scheint – lass dich überraschen und erkunde, wie optische Täuschungen funktionieren. Wie lässt man einen Raum kopfstehen (oder sich selbst), wieso kann ein Zimmer Menschen größer oder kleiner machen und wie läuft man gerade durch einen sich scheinbar drehenden Tunnel, ohne hinzufallen? Doch neben Antworten auf diese und andere Rätsel steht auch einfach der Spaß im Vordergrund deines Besuches.

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Ist der Stuhl zu groß, man selbst zu klein oder alles nur eine Illusion?

Ist der Stuhl zu groß, man selbst zu klein oder alles nur eine Illusion?

Quelle: Tina Hoffmann

An markierten Fotospots kannst du von deinen Begleiterinnen und Begleitern verrückte Bilder als Andenken machen – mit dem Kopf auf einem Serviertablett beispielsweise oder mit dir selbst in einem Kaleidoskop. Außerdem gibt es Knobelecken mit 3D-Puzzles und anderen lustigen Herausforderungen. Das Museum eignet sich auch für Familien, denn Physik, Geometrie und Mathe werden hier spielerisch nebenbei entdeckt. Zudem gibt es Führungen, Workshops und buchbare Zaubershows für Groß und Klein.

5. Buchstaben­museum

In den S‑Bahnbögen unter den Gleisen des Bahnhofs Bellevue kannst du eine kleine Reise durch die Stadtgeschichte unternehmen, die es so vermutlich kein zweites Mal gibt. Denn viele der Leuchtreklamen, die früher einmal Fassaden zierten und oft jahrzehntelang das Gesicht der Stadt prägten, befinden sich heute im Buchstabenmuseum. Normalerweise wandern diese Landmarken in die Tonne, wenn Hotels, Läden, Restaurants oder Kulturorte schließen. Doch um das zu verhindern, hat sich der gemeinnützige Verein Buchstabenmuseum e.V. gegründet und seither schon etliche prägnante Schriftzüge vor der Verschrottung bewahrt.

Der Film-Palast heißt heute Astor Film Lounge, der alte Schriftzug hat ausgedient.

Der Film-Palast heißt heute Astor Film Lounge, der alte Schriftzug hat ausgedient.

Quelle: Tina Hoffmann

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Hinter jedem Schriftzug steckt eine eigene Geschichte, die allerdings nur bei ausgewählten Stücken für die Gästinnen und Gäste aufgeschrieben wurde. So können vor allem Berlin-Kennerinnen und Berlin-Kenner in Erinnerungen schwelgen, wenn sie beispielsweise den Schriftzug des einstigen Film-Palasts sehen, der in Astor Film Lounge umbenannt worden ist. Neben der Dauerausstellung, die auf den ersten Blick wie eine wilde Abstellkammer wirkt, gibt es auch wechselnde Sonder­ausstellungen.

6. Medizin­historisches Museum

Nach mehrjähriger Renovierungsphase kannst du das Medizinhistorische Museum jetzt wieder auf dem Campus der Charité in Mitte besuchen. Hier bekommst du einen Einblick in die Entwicklung der Medizin in Berlin in den letzten 300 Jahre. Dabei begegnen dir große Namen wie Rudolf Virchow oder Emil von Behring sowie historische Bilder und Exponate wie Sezierwerkzeuge. Legendär ist der Präparatesaal. Dessen Objekte gehen im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut. Aber Achtung: Das kann durchaus verstörend sein. Man darf nicht vergessen, dass hinter jedem Objekt ein echtes Leben, ein echtes Schicksal steckt.

Blick von oben in die historische Hörsaalruine, wo Virchow einst Vorlesungen hielt.

Blick von oben in die historische Hörsaalruine, wo Virchow einst Vorlesungen hielt.

Quelle: Tina Hoffmann

Der Besuch des Museums wird darum auch ausdrücklich nicht für Kinder unter 16 Jahren empfohlen. Aber auch wenn du hier schnell wieder kehrtmachst – der Rest der Ausstellung ist spannend genug. Allein die Hörsaalruine, in der einst berühmte Mediziner Vorlesungen über Pathologie hielten, ist absolut sehenswert. Neben der Dauer­ausstellungen kannst du in dem Museum auch Sonder­ausstellungen erkunden.

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7. Deutschland­museum

Das 2023 eröffnete Deutschlandmuseum am Leipziger Platz, direkt neben dem ebenfalls sehr spannenden Spionagemuseum, setzt dem heute so beliebten interaktiven Museumskonzept die Krone auf, denn die Erlebnisattraktion ist nicht nur interaktiv, sondern immersiv. Will heißen: Du tauchst hier richtig ein in eine andere Welt. Genauer gesagt in die letzten 2000 Jahre deutscher Geschichte. Aber wie soll man sich das vorstellen? Jeder Raum entführt dich in eine bestimmte Zeit oder ein bestimmtes Ereignis. Dafür wurden eigene Gerüche designt und eine passende Geräuschkulisse entworfen. Im Mittelalter erwartet dich der leicht muffige Gestank einer alten Burg, in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges ist vor allem der Flieger- und Bombenlärm prägnant.

Apothekenschaufenster aus dem 20er-Jahre-Bereich des Deutschland­museums.

Apothekenschaufenster aus dem 20er-Jahre-Bereich des Deutschland­museums.

Quelle: Tina Hoffmann

Aber auch der Tastsinn wird angesprochen. Schon beim Eintreten in einen dunklen Wald zur Zeit der Germanen fühlst du den weichen, moosigen Boden unter deinen Füßen. Anfassen ist hier übrigens erwünscht. Designe dein eigenes Lesezeichen in einer alten Druckerstube oder erkunde eine Kücheneinrichtung aus den Wirtschafts­wunderjahren.

8. David Hasselhoff Museum

Kann man hier wirklich von einem Museum sprechen? Da gehen die Meinungen wohl auseinander. Aber der Besuch ist vor allem für Fans von „Baywatch“ oder „Knight Rider“ ein lustiges Erlebnis. Das wohl kleinste Museum Berlins befindet sich im Keller des Circus Hostels am Rosenthaler Platz und ist eigentlich nur eine Nische. Manche sprechen auch von einem Schrein. Direkt beim Eintreten begrüßt dich ein süffisantes Wandgemälde des Stars, in Vitrinen stehen Memorabilien wie seine knallroten Klamotten als Rettungsschwimmer, eine Hasselhoff-Puppe, DVDs, CDs, Bücher, ein Modell von Kitt und vieles mehr.

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Museum oder Schrein? Das David Hasselhoff Museum ist vor allem klein.

Museum oder Schrein? Das David Hasselhoff Museum ist vor allem klein.

Quelle: Tina Hoffmann

Ein großes Porträt mit „The Hoff“-Schriftzug und ein festgetackerter Klavierschal sind weitere Objekte. Außerdem gibt es noch ein paar Hoff-Facts. Das Idol mit dem üppigen Brusthaar hat unter anderem einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde als meistgesehener TV-Star der Welt. Einige seiner Anhängerinnen und Anhänger fordern zudem die Umbenennung des Weinbergsweges in David-Hasselhoff-Straße. Der Besuch ist übrigens kostenlos, also warum nicht aus Jux einfach mal vorbeischauen?

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