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Von: Laura May

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Die Witwe von Alexej Nawalny will seinen Kampf gegen Putin in Russland weiterführen. Was hinterlässt der bekannteste Kreml-Gegner?

Moskau – Nach dem Tod von Russlands Oppositionsführer Alexej Nawalny steht die Frage im Raum, wer sein Erbe antreten wird. Wird es einen neuen Protagonisten oder eine neue Protagonistin im Widerstand gegen Wladimir Putin geben? Was passiert mit Nawalnys Antikorruptionsstiftung (FBK)? Wie hoch ist das Vermögen, das er seiner Familie hinterlässt?

Über die Finanzierung von Nawalnys Stiftung und seinen Regionalvertretungen sowie sein privates Vermögen wurde in den vergangenen Jahren viel spekuliert. Der Kreml sprach wiederholt von „ausländischen Sponsoren“, die durch die Finanzierung Nawalnys Russland destabilisieren wollten – jedoch ohne Beweise.

Das Vermögen von Nawalny, seinen Stiftungen und Regionalgruppen

Nawalnys Stiftung FBK sowie die sogenannten „Stäbe“, von der Stiftung unabhängige Regionalvertretungen, finanzieren sich laut eigenen Angaben hauptsächliche durch russische Kleinspender. Auch einige Großspender wie der Geschäftsmann und Philanthrop Boris Simin unterstützen den Kampf gegen Korruption und für Meinungsfreiheit.

Der FBK veröffentlicht seit 2012 einen detaillierten Jahresbericht, um Transparenz über seine Finanzierung zu garantieren. 2019 kamen demnach 917.000 Euro zusammen. Für die Regionalgruppen spricht Nawalnys Stabschef Leonid Wolkow von rund 2,1 Millionen Euro für dasselbe Jahr. Die Gehälter der Mitarbeitenden sind relativ gering – im Schnitt um die 800 Euro. Ein Großteil des Geldes würde für Gerichtskosten, Strafen und den Ersatz konfiszierter Computer verwendet.

Nawalnys Vermögen, seine Familie und sein politisches Erbe

Doch wie hoch ist das Privatvermögen des berühmtesten Putin-Kontrahenten? Was hinterlässt er seiner Familie? Genaue Angaben gibt es dazu nicht. 2020 hatte die russische Justiz sein Vermögen eingefroren, während Nawalny sich in der Berliner Charité von einem Giftanschlag erholte. Wie die Rheinische Post damals berichtete, belegte die russische Justiz Nawalnys Stiftung mit einer Strafe von 88 Millionen Rubel (rund eine Million Euro). Sein Anteil daran betrug 30 Millionen Rubel, rund 300.000 Euro.

Gerichtsvollzieher hatten damals Nawalnys Wohnung im Moskauer Stadt Maryino mit Sanktionen belegt, sodass er die Immobilie etwa nicht mehr verkaufen durfte. Was seine Witwe Julija Nawalnaja und seine zwei Kinder außer der Wohnung genau erben werden, ist nicht bekannt. Sein politisches Erbe will Nawalnaja jedenfalls weiterführen, wie sie kurz nach seinem Tod bekannt gab.

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