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Von: Michael Acker

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Wenn man die Miete abzieht, bleibt Rentnern oft nicht mehr viel übrig.

Wenn man die Miete abzieht, bleibt Rentnern oft nicht mehr viel übrig. © DPA

Wenn von der Rente die Miete abgebucht wird, bleibt den meisten Senioren nicht mehr viel. Mit seinem Platz im bundesweiten Ranking der kaufkraftstärksten Renten kann der Landkreis nicht glänzen – im Gegenteil.

Ebersberg – Eine Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die Kombination aus durchschnittlichem regionalen Rentenzahlbetrag und regionalem Preisniveau untersucht. Was man sich im Alter leisten kann, hängt nicht nur von der Rentenhöhe ab, sondern auch dem Preisniveau am Wohnort, erklärt Prognos-Studienleiter Oliver Ehrentraut in der Veröffentlichung. Aus den Vergleichen ging ein Ranking der kaufkraftstärksten Renten in Deutschland hervor. In diesem Ranking liegt der Landkreis Ebersberg im Jahr 2021 auf dem 313. Platz – von 400.

Rentenkaufkraft liegt im Landkreis bei 960 Euro

Die Rentenkaufkraft liegt laut Studie bei 960 Euro im Monat. Zum Vergleich: Die Region mit der kaufkraftstärksten Rente ist Gera (Thüringen) mit 1437 Euro im Monat, und der Kreis mit der niedrigsten Rentenkaufkraft ist Eifelkreis Bitburg-Prüm (Rheinland-Pfalz) mit 856 Euro – also etwa noch einmal über 100 Euro weniger als die Ebersberger Rentner.

Dass der Landkreis so schlecht dasteht, wundert den Ebersberger Thomas John nicht. Der 75-Jährige ist Seniorenbeauftragter der Stadt und Vorstandssprecher des Bayerischen Landesseniorenrates (LSR). In diesen Funktionen führt er viele Gespräche mit älteren Menschen, da klinge das Thema Altersarmut immer wieder mal durch. Offen angesprochen werde es selten, sagt John. Die Betroffenen vertrauten sich oft niemandem an, die Schamgrenze sei zu hoch.

Seniorenbeauftragter: Altersarmut lässt Menschen krank werden

Wenn man sich das durchschnittliche Rentenniveau und die durchschnittlichen Mieten in der Region anschaue, führe das zu einer einfachen Rechnung, deren Ergebnis sei: „Den Menschen bleibt aufgrund des hohen Mietzinses zu wenig, um gut über die Runden zu kommen“, sagt John. Das wiederum führe zur Vereinsamung, da die Senioren wegen Geldmangels nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen könnten. „Die können sich oft nicht einmal einen Café-Besuch leisten“, sagt der Seniorenbeauftragte. „Wer einsam ist, hat ein deutlich höhres Krankheitsrisiko, das zeigen Studien“, fügt er an. Eine Kettenreaktion

Gibt es eine Lösung für das Problem? John sieht sie nicht, jedenfalls nicht kurz- bis mittelfristen. Natürlich fehlten günstige Wohnungen, sagt John, der in Bezug auf das deutsche Rentenniveau auf etliche Nachbarländer hinweist, in denen die Altersbezüge „20 Prozent höher lieggen“. Heuer werde es wohl eine Rentenerhöhung von 3,5 Prozent geben, glaubt John und das in einer Zeit, in der Arbeitnehmer für ein Gehaltsplus von über zehn Prozent auf die Straße gingen und sich die Bundestagsabgeordneten die Diäten um sechs Prozent erhöhten. „Da ist ein Fehler im System“, sagt John. Der allerdings sei schon vor 40 Jahren gemacht worden, als es in Deutschland viel weniger alte Menschen gegeben habe.

Bayern hat das größte Gefälle bei der Rentenkaufkraft

Zurück zur Prognos-Studie. Diese besagt: Bayern ist das Bundesland mit dem größten Gefälle in der Rentenkaufkraft. Im Landkreis Hof – Spitzenreiter im Freistaat – verfügen Ältere preisbereinigt mit 1108 Euro über ein Drittel mehr als in Garmisch-Partenkirchen, dem Berchtesgadener Land und der Stadt Regensburg, die gemeinsam mit 862 Euro Schlusslicht sind.

Insgesamt ist laut Studie die Kombination aus regionalem Rentenzahlbetrag und Preisniveau in Bayern eher ungünstig: Nur in 13 der 96 Kreise und kreisfreien Städte liegt die Rentenkaufkraft über dem Bundesdurchschnitt von 1036 Euro. Dagegen zählen gleich fünf bayerische Gebiete zu den zehn Regionen Deutschlands, in denen der Rentenwert am niedrigsten ist – darunter auch München und der Kreis Miesbach.

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