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Ex-Mitarbeiter werfen Enpal fehlende Zahlungen vor – einer geht sogar vor Gericht

Beim Solar-Startup Enpal häufen sich am Standort Leipzig die Beschwerden ehemaliger Mitarbeiter. Jetzt wird der Vertrieb dort eingestellt – angeblich unabhängig von den Vorwürfen.

Bei Enpal scheint nicht immer die Sonne: Ex-Mitarbeiter werfen dem Startup schlechte Arbeitsbedingungen vor.

Bei Enpal scheint nicht immer die Sonne: Ex-Mitarbeiter werfen dem Startup schlechte Arbeitsbedingungen vor.

Enpal

Enpal hat im vergangenen Jahr 900 Millionen Euro umgesetzt – und das profitabel. Eigentlich gibt es beim Solar-Startup viel zu feiern. Eigentlich. Wären da nicht die Meldungen verärgerter ehemaliger Mitarbeiter. In Leipzig kritisieren diese die Arbeitsbedingungen im Vertrieb des Startups – und gehen dafür sogar vor Gericht. Ende April soll nun der Leipziger Standort geschlossen werden, wie MDR Sachsen von einem Unternehmenssprecher erfahren hat. Ein Zusammenhang zwischen den Vorwürfen und der Schließung bestehe allerdings nicht, wie dieser auf Nachfrage mitteilt.

Bei den Vorwürfen gegen Enpal geht es um Überstunden, ausbleibende Zahlungen, Druck und undurchsichtige Provisionen in den Arbeitsverträgen. Eine Ex-Mitarbeiterin hat MDR Sachsen gesagt, sie habe teilweise 60 Stunden in der Woche gearbeitet. Aufgrund des Drucks im Job habe sie sich nicht getraut, Ausgleichstage zu nehmen. Zudem habe es Unstimmigkeiten bei der Auszahlung von Provisionen gegeben. Zu Beginn soll die Mitarbeiterin der Recherche nach für jede verkaufte PV-Anlage eine Provision erhalten haben. Nach vier Monaten im Unternehmen erhielt sie demnach nur für jede fünfte verkaufte PV-Anlage eine Provision. Dieses Vertragsdetail sei in einem Anhang geregelt. Bei der Ex-Mitarbeiterin und weiteren Beschäftigten habe dieser Anhang jedoch gefehlt. Sie hat ihren Job bei Enpal 2023 gekündigt.

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Ex-Enpal-Mitarbeiter geht vor Gericht

Ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter am Standort Leipzig zieht jetzt sogar vor Gericht. Aaron Konopatzki fordert aufgrund von ausgefallenen Urlaubs-, Lohn- und Provisionszahlungen 12.000 Euro von seinem Ex-Arbeitgeber Enpal, wie MDR Sachsen berichtet. Vor Gericht vertritt ihn die Gewerkschaft Freie Arbeiter*innen Union (FAU), die vom sächsischen Verfassungsschutz als anarchistisch eingestuft wird. Konopatzki hat im Dezember 2023 seinen Job bei Enpal gekündigt.

Die Verhandlungen um seine Gehaltsansprüche seien vorerst gescheitert. Dem Kläger zufolge sei Enpal jedoch bereit, die Hälfte des Streitwerts zu zahlen – was er als Zugeständnis sieht. Laut Konopatzki seien die Mitarbeiter bei Enpal auf die Provisionen angewiesen, da sie ein geringes Grundgehalt erhalten würden. Einigen sich Enpal und der Kläger bis zum September nicht, kommt es zum Prozess.

Enpal schließt Vertriebsstandort in Leipzig

Das Arbeitsverhältnis der ehemaligen Enpal-Mitarbeiter im Vertrieb wird in der Recherche als toxisch beschrieben. Auf Anfrage des MDR möchte sich das Startup zu den Vorwürfen nicht öffentlich äußern. Ein Enpal-Sprecher teilt jedoch mit: „Unser Erfolg ist das Ergebnis der täglichen Arbeit unserer Beschäftigten. Schon daher liegt uns die Mitarbeiterzufriedenheit sehr am Herzen. In einem großen Unternehmen kommt es leider gelegentlich auch zu menschlichen Fehlern, die wir aber nach Kräften vermeiden und umgehend korrigieren.“

Auf den Druck im Unternehmen angesprochen, heißt es: „Das Ziel bleibt natürlich, dass wir den Beschäftigten ein gutes Umfeld bieten wollen und wir investieren auch massiv in die Zufriedenheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Wachstum sei aufgrund der Klimakrise wichtig. Man müsse allerdings noch schneller wachsen. „Und daher arbeiten wir jeden Tag sehr hart, aber hoffentlich am Wochenende dann auch wieder nicht“, so der Sprecher zum MDR.

Am Standort Leipzig werden die Enpal-Mitarbeiter dagegen in Zukunft weder am Wochenende noch unter der Woche arbeiten. Enpal schließt sein Vertriebsbüro, wie ein Unternehmenssprecher MDR Sachsen mitteilte. Für die rund 30 Beschäftigten ist demnach Ende April Schluss. Als Grund wird der Fokus des Unternehmens auf den Verkauf von Wärmepumpen und den Außendienst gelegt. Dies seien Bereiche „die wir in Leipzig gar nicht dargestellt haben“, wie es heißt.

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