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Von: Maximilian Kettenbach

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Nach einem Anstieg der Gewalttaten rüstet die Deutsche Bahn ihr Personal mit Körperkameras aus. Ein Pilotprojekt zeigt bereits erste Erfolge.

Berlin – Diese Zahlen waren offenbar des Schlechten zu viel. Nachdem Übergriffe auf Bahn-Mitarbeiter in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen waren, stattet die Bahn ihr Personal in Regionalzügen der Deutschen Bahn künftig aus Sicherheitsgründen mit Körperkameras aus. Das sagte die Chefin der DB Regio, Evelyn Palla, der Bild am Sonntag. „Wir wollen unseren Kundenbetreuern im Nahverkehr bundesweit ermöglichen, eine Bodycam zu tragen“, so Palla.

„Unsere Mitarbeitende sind das Rückgrat für den Bahnverkehr. Umso mehr müssen wir sie noch besser vor Übergriffen schützen“, erklärte Palla. „Jeder Angriff gegen unsere Mitarbeitenden ist einer zu viel.“ Im Jahr 2023 wurden demnach 1328 DB-Mitarbeitende im Nahverkehr angegriffen.

Bodycams in DB-Zügen – weil Gewalt Überhand nimmt

Die Entscheidung kommt nicht wirklich überraschend. Im Dezember sagte der Landesvorsitzende der Eisenbahn-Gewerkschaft EVG, Dirk Richter: „Unsere Leute bekommen die geballte Frustration der Kunden ab.“ Eine Respekt-Kampagne der EVG in Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium soll das Bewusstsein schärfen. Mit Flyern, Plakaten und Informationen in den sozialen Medien soll auf das Problem aufmerksam gemacht werden. 

Der starke Anstieg der Gewalttaten im Jahr 2022 war unter anderem auf die Maskenpflicht in Zügen während der Corona-Pandemie zurückgeführt worden. Ein Großteil der Vorfälle betraf demnach die rund 5000 Schaffner und Kundenbetreuer in Regionalzügen. Im Frühjahr 2023 startete die DB Regio daraufhin ein Pilotprojekt mit Bodycams für Mitarbeiter.

Eine Mitarbeiterin der DB-Sicherheit trägt im Nürnberger Hauptbahnhof eine Bodycam an ihrer Einsatzweste.

Eine Mitarbeiterin der DB-Sicherheit trägt im Nürnberger Hauptbahnhof eine Bodycam an ihrer Einsatzweste. © Nicolas Armer/dpa

Deutsche Bahn kündigt einschneidende Änderung in Regio-Zügen an

Diese Tests hätten ergeben, dass sogenannte Bodycams dabei helfen, Mitarbeiter vor körperlichen Angriffen zu schützen.: „Die Mitarbeiter, die bei unseren Pilotprojekten eine Bodycam getragen haben, haben seither keinen körperlichen Übergriff erfahren“, sagte ein Bahn-Sprecher der Zeitung.

Für das gesamte vergangene Jahr liegen bislang keine aktuellen Zahlen zu Angriffen auf Bahn-Mitarbeiter vor. Besonders im Regionalverkehr haben zumindest die Fahrgastzahlen unter anderem wegen der Einführung des Deutschlandtickets aber spürbar zugenommen. Zur Nahverkehrsflotte der Deutschen Bahn zählen 4500 Regionalzüge und S-Bahnen, die täglich 22 000 Zugfahrten anbieten und pro Tag etwa 4,7 Millionen Reisende befördern. 

Zuletzt verärgerten Wellenstreiks der Zugführergewerkschaft GDL viele Bahnfahrer. Dadurch standen zahlreiche DB-Züge still. Doch auch im ÖPNV drohen neue Arbeitsniederlegungen. (afp, mke)

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