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Kein anderer Spieler hat so oft beim sogenannten deutschen Klassiker zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund mitgewirkt wie Mats Hummels. Beim Sieg des BVB gehörte er sogar zu den besten Spielern. Das bedeutet dem 35-Jährigen sehr viel. Denn er würde gern bei der EM mitspielen.

Mats Hummels legte bei dieser Statistik Wert auf Genauigkeit. „Wir liegen knapp unter zehn Jahren“, sagte der Abwehrchef von Borussia Dortmund nach dem 2:0 (1:0) des BVB in München – was anschließend medial als erster Bundesliga-Sieg des BVB seit zehn Jahren verkauft wurde. Penible Menschen müssten jedoch tatsächlich sagen: seit knapp zehn Jahren. „Denn damals war es tief im April und die Bayern waren mit der Meisterschaft schon durch“, so Hummels.

Das stimmt. Am 12.4.2014 gewann der BVB, damals trainiert von Jürgen Klopp, mit 3:0 bei den Bayern, die mit 20 Punkten Vorsprung in die Partie gegangen waren. Einen Treffer hatte auch Marco Reus (34) beigesteuert – der damals der einzige Dortmunder Teamkollege von Hummels war, der auch an diesem Karsamstag wieder für den BVB spielte.

Nach einer Reihe von Pleiten, Pech und Pannen mal wieder in München zu gewinnen – das tat Hummels sichtlich gut. „Man kann es Demütigung nennen, wie es teilweise ablief. Sowohl in den Jahren, in denen ich für BVB gespielt habe, als auch in denen, in denen ich in München war. Es waren teils sehr heftige Ergebnisse. Deswegen war es wichtig, dass wir wieder mal so ein Spiel hinlegen“, sagte der 35-Jährige im Gespräch mit Sky. Denn damit hört das nervige zählen, wie viele Jahre die Dortmunder dort nicht siegen konnten, erst einmal auf.

Selten hatte Bayern Münchens Kane so wenig Abschlüsse

„Für uns ist es ein Statement, dass wir es können“, erklärte Hummels. Es ist allerdings auch eine Botschaft in eigener Sache. Motto: Seht, auch ich kann es noch. Schließlich bildete er gemeinsam mit seinem Kollegen Nico Schlotterbeck das Fundament des Erfolges. Sie verteidigten die meisten Angriffsversuche der Münchener entschlossen weg. Es war selten, dass Bayern-Torjäger Harry Kane so wenige Abschlüsse verzeichnen konnte.

Die Dortmunder beendeten ihre schwarze Serie nicht zuletzt auch deshalb, weil Hummels seiner Führungsrolle gerecht wurde. Er organisierte umsichtig die Abwehrarbeit, kurbelte zudem mit klugen Pässen die Spieleröffnung an und sorgte so für Entlastungsangriffe. „Es war ein überragendes Spiel von Mats, glatte Note1“, sagte Edin Terzic, der in den vergangenen Wochen nicht immer auf seinen ältesten Spieler gesetzt hatte. In den ersten neun Bundesligaspielen in 2024 hatte Hummels kein einziges Mal in der Startelf gestanden. Abgesehen von den erfolgreichen Achtelfinalspielen in der Champions League gegen Eindhoven, baute Terzic erst vor zwei Wochen beim 3:1 gegen Frankfurt wieder auf ihn.

Dies dürfte ein Grund sein, warum Julian Nagelsmann Hummels nicht in den Kader für die Länderspiele gegen Frankreich und die Niederlande berufen hatte – was Hummels traf. Denn er hatte sich reelle Hoffnungen gemacht, im Spätherbst seiner Karriere noch ein großes Turnier spielen zu können.

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Wie es für Hummels nach der Saison weitergehen wird, ist offen. Sein Vertrag, den er erst im vergangenen Sommer um ein Jahr verlängert hatte, läuft aus. „Es ist gar nichts entschieden in irgendeiner Richtung“, sagte er. Er gehe auch nicht davon aus, dass dies schnell geschehen werde. „Ich glaube, das wird sich erst nach Saisonende entschieden.“ Das dürfte so kommen: Zum einen ist nicht klar, wie dann beim BVB die Verantwortlichkeiten verteilt sein werden – zum anderen überlegt Hummels selbst, was ihn noch reizen könnte. „Lust“ verspüre er schon noch, sagte er: „Es tut halt alles nur viel weh.“

Der Weltmeister von 2014 muss sich nach 78 Länderspielen nichts mehr beweisen. Seit Samstag ist er auch noch der Rekordspieler im deutschen Klassiker. 29 Mal hat Hummels in dieser nach wie vor sehr besonderen Partie auf dem Platz gestanden und damit den langjährigen BVB-Kapitän Michael Zorc überholt. Als Bewerbungsschreiben im Hinblick auf die EM könnte dies jedoch zu spät kommen.