Prozess in Nürnberg: Dieses T-Shirt ist eine Anklage

Schwangere Bank-Chefin seit mehr als 500 Tagen vermisst – jetzt spricht ihr Verlobter in BILD

Alexandra R. (39) war im achten Monat schwanger als sie verschwand: Ihrem Verlobten bleibt nur noch das Bild seines ungeborenen Kindes. Er druckte es auf ein T-Shirt – und klagt damit die mutmaßlichen Mörder an

Alexandra R. (39) war im achten Monat schwanger als sie verschwand: Ihrem Verlobten bleibt nur noch das Bild seines ungeborenen Kindes. Er druckte es auf ein T-Shirt – und klagt damit die mutmaßlichen Mörder an

Nürnberg – Es ist ein schlichtes, weißes T-Shirt, das Dr. Bastian R. (39) trägt, als er in den Gerichtsaal in Nürnberg geht. Doch ein kleines Foto auf der Vorderseite macht dieses Shirt zu einer Nachricht, zu einer Anklage: Seht, was ihr mir genommen habt!

Es ist das Ultraschallbild seines ungeborenen Babys. Das Kind und seine Mutter – beide sind vermutlich tot: Seit 504 Tagen hat Bastian R. seine Lebensgefährtin Alexandra R. (39) nicht mehr in die Arme schließen können. Die Bank-Chefin verschwand einen Mo­nat vor der Geburt des ge­meinsamen Sohnes im De­zember 2022 spurlos.

Von der Schwangeren fehlt seit Dezember 2022 jede Spur

Von der Schwangeren fehlt seit Dezember 2022 jede Spur

„Das ist das Letzte, was mir von meinem Kind ge­blieben ist“, sagt R. im Gericht, bricht immer wieder in Tränen aus, streicht sich über sein T-Shirt mit dem Ultraschallbild. Seine große Liebe lebt wahrscheinlich nicht mehr. Ihre mutmaßlichen Mörder sitzen dem 39-Jährigen jetzt gegenüber.

Der Lebensgefährte (links) der Vermissten im Gespräch mit seinem Anwalt, Maximilian Bär

Der Lebensgefährte (links) der Vermissten im Gespräch mit seinem Anwalt, Maximilian Bär

Alles begann am 9. Dezember 2022: Alexandra R. hatte ihre Pflegetochter nicht aus der Kita abgeholt. Über mehrere Stunden versucht Bastian, sie zu erreichen. Da spürt er schon, dass etwas Schlimmes passiert sein muss – und dass Alexandras einstige Ge­schäftspartner Dejan B. (50) und Ugur T. (48) etwas damit zu tun haben müssen.

Die beiden Männer sind angeklagt, die 39-Jährige getötet und ihre Leiche an einem unbekanntem Ort entsorgt zu haben. Der Grund: Alexandra hatte sie wegen Be­trugs verklagt.

Verlobter durchschaut Fake-Nachricht

Nachdem Bastian seine Verlobte über Stunden nicht erreicht hatte, leuchtete plötzlich eine WhatsApp-Nachricht auf seinem Handy auf. Der Absender: Alexandra. „Hallo Bastian. Es tut mir leid für alles. Ich habe dich benutzt und belogen. Ich kann so nicht weitermachen. Ich habe so viel Mist gebaut. Ich will nicht ins Gefängnis. Ich kann nicht ohne Dejan le­ben. Ich wünsche dir das Beste. Ich kann nicht mehr“, liest er. Immer und immer wieder geht der Lehrer die Worte durch …

Der Bosnier Dejan B. gilt als Hauptverdächtiger. Er soll die junge Frau gekidnappt, getötet und ihre Leiche entsorgt haben

Der Bosnier Dejan B. gilt als Hauptverdächtiger. Er soll die junge Frau gekidnappt, getötet und ihre Leiche entsorgt haben

Doch, er weiß sofort: „Nie in 1000 Jahren ist diese Nachricht von Alex. Meine Verlobte kommt aus Rumänien, hat noch viele Fehler gemacht.“ Mit „Hallo Bastian“ habe sie ihn auch nie angeschrieben.

Handy auf Lkw in Südtirol gefunden

„Das hat nur der Dejan ge­macht“, ist sich R. sicher. Sofort geht Bastian zur Polizei, um eine Vermisstenanzeige zu er­statten: „Doch die ha­ben das nicht ernst genom­men, wollten nicht mal das Telefon orten. Ich habe herumgeschrien, mit Dienstauf­sichtsbeschwerde gedroht.“

Erst am Tag darauf kommen die Ermittlungen in Gang, als Alexandra R.’s Handy von ei­nem Trucker in Südtirol auf seinem Laster gefunden wird. Die Staatsanwaltschaft glaubt: Ugur T. legte das Handy selbst dort hin, nach­dem er zusammen mit Dejan B. die Frau am Irschenberg in Südbayern getötet hatte.

Ugur T. soll laut Anklage auch die Abschieds-SMS ge­schrieben haben, um ein frei­williges Abtauchen vorzutäu­schen.

Bisher schweigen die beiden Männer zu den Vorwürfen. „Alex­andra war die Liebe meines Lebens“, sagt Bastian R. zu BILD, hofft auf die Höchststrafe für beide. Doch tatsächlich wünscht er sich nur eins: wissen, was wirklich mit Alexandra geschah – und mit seinem ungeborenen Kind: „Vielleicht hat Dejan wenigstens noch so viel An­stand, mir einen Platz zum Trauern zu geben.“

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