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Von: Carmen Mörwald

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Eine Seniorin erhält inklusive Rente rund 10.000 Euro monatlich. Obwohl es ihr im Ruhestand besser denn je geht, verzichtet sie weitestgehend auf Luxus.

Kassel – Menschen in Deutschland arbeiten oft ein Leben lang, nur um dann zum Renteneintritt festzustellen, dass das Geld hinten und vorne nicht reicht. So ergeht es auch einer Rentnerin aus Regensburg, welche 45 Jahre lang als Vollzeitkraft tätig war und sich nun keinen Besuch im Café leisten kann. Sie bekommt lediglich 1220 Euro, wovon am Ende des Monats nichts übrig bleibt.

Laut Statistischem Bundesamt sind in Deutschland vor allem Frauen von Altersarmut betroffen. Doch es gibt auch Ausnahmen: So berichtet eine Seniorin, die anonym bleiben will, dass sie knapp 130.000 Euro inklusive Rente im Jahr bezieht. Damit verdient sie nach eigenen Angaben mehr als ihr Lebenspartner, der zwar auch schon im Ruhestand ist, aber noch in Vollzeit weiterarbeitet.

„Thema ist Geld vor allem dann, wenn man zu wenig davon hat“: Rentnerin bekommt 130.000 Euro im Jahr

Im Gespräch mit dem Spiegel verrät die Rentnerin, dass sie und ihr Lebenspartner zwar zusammenleben, aber kein gemeinsames Konto besitzen. Da sie festgestellt haben, dass sie auch im Alter ein „gutes Auskommen“ haben, habe Geld nie eine große Rolle gespielt. „Ein Thema ist Geld vor allem dann, wenn man zu wenig davon hat. Das ist bei uns zum Glück nicht der Fall“, erklärt sie.

In den Siebzigern studierte die mittlerweile 66-Jährige Anglistik, Romanistik und Germanistik auf Lehramt und absolvierte daraufhin ihr Referendariat. Allerdings fand sie keine Anstellung, da es damals einen Überfluss an Lehrkräften gab. Also zog es die Seniorin in die Medien- und Kommunikationsbranche, wo sie als Werbetexterin und später als Geschäftsführerin ihr Geld verdiente.

TätigkeitRentnerin mit freiberuflichem Nebenjob in der Kommunikation
Durchschnittliche Wochenarbeitszeit20 Stunden
Einkommen pro Jahrrund 128.000 Euro brutto
Jüngster AbschlussLehramtsstudium / Referendariat

Aber wie kommt der verhältnismäßig hohe Betrag von 130.000 Euro im Jahr zustande? Sie zählt auf: „77.000 Euro habe ich freiberuflich im vergangenen Jahr brutto verdient. 3438 Euro an Rente und Betriebsrente kommen im Monat dazu. Ebenso 870 Euro an Mieteinnahmen für ein Haus in Süddeutschland, das ich von meinen Eltern geerbt habe.“ Konkret sind es 128.696 Euro brutto.

Die frisch gebackene Rentnerin gesteht: „Mit meiner selbstständigen Halbtagstätigkeit und meiner Rente verdiene ich jetzt fast besser als im Berufsleben, wo ich Vollzeit gearbeitet habe.“ Auf die Frage, wann sie zuletzt den Gürtel enger schnallen musste, nennt sie die gestiegenen Lebensmittelpreise. „Da habe ich schon penibel darauf geachtet, was ich zu welchem Preis einkaufe.“

Trotz 130.000 Euro jährlich: Rentnerin und ihr Lebenspartner verzichten auf Leben im Luxus

Natürlich werden von ihrem monatlichen Einkommen von rund 10.000 Euro noch die Fixkosten abgezogen. Diese sind laut der Rentnerin aber gar nicht einmal so hoch. Für Lebensmittel zahlt sie wöchentlich etwa 250 Euro. „Einmal in der Woche gehen wir aber mindestens ins Restaurant“, sagt sie dem Spiegel. „Das ist für mich Luxus, und den gönne ich mir mit meinem Partner auch gern.“

Eine Rentnerin bezieht ein jährliches Einkommen von 128.000 Euro brutto und verdient damit „fast besser als im Berufsleben“.

Eine Rentnerin bezieht ein jährliches Einkommen von 128.000 Euro brutto und verdient damit „fast besser als im Berufsleben“. © Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Zu den Fixkosten zählen ebenso Gas für 124 Euro und Strom für 81 Euro pro Monat. „264 Euro sind Hausgeld“, erklärt die 66-Jährige. Hinzu kommen 44 Euro für das Yogastudio und im „geringen Maße“ Ausgaben für Theater- sowie Kinobesuche. Da sie einen zehn Jahre alten Peugeot fährt, „und den auch nur sporadisch“, kostet sie die Versicherung für das Auto 600 bis 700 Euro im Jahr.

Ihre monatlichen Ausgaben für sonstige Versicherungen fasst die Rentnerin wie folgt zusammen:

  • 357 Euro für die private Krankenversicherung
  • 30 Euro für die Hausratsversicherung
  • 36 Euro für die Rechtsschutzversicherung
  • Zehn Euro für die Haftpflichtversicherung
  • Wenige Euro für die Auslandskrankenversicherung

Urlaub machen sie und ihr Lebenspartner ein- bis zweimal im Jahr. Da es sich dabei aber um keine Luxusurlaube handle, zahlen beide jährlich etwa 8000 Euro dafür. Die Seniorin gibt zu, dass es ein gutes Gefühl sei, so viel Geld in der Hinterhand zu haben. „Wenn ich mir in den Kopf setze, ich renoviere jetzt das Esszimmer, dann kann ich das einfach machen“, nennt sie als Beispiel.

Dem Leben im Luxus hat die 66-Jährige abgeschworen – zumindest weitestgehend. „Zu finanziellen Hochphasen habe ich mir in der Mittagspause auch mal einen Lammfellmantel für 1500 Euro gekauft“, erzählt sie. „Das würde ich heute so auch nicht mehr machen.“ Allerdings seien Klamotten immer noch eine Schwachstelle von ihr. „Da geht es nicht immer ums Brauchen, sondern ums Wollen.“

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Während die einen den Ruhestand genießen, im Sommer in den Urlaub fahren und regelmäßig Essen gehen, überlegen andere, ob sie die Heizung anschalten sollen, obwohl ihnen kalt ist. Das berichtet zumindest ein Rentner aus Cornwall in Großbritannien. Obwohl er sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, bleiben ihm am Ende des Monats gerade einmal acht Euro übrig. (cln)

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